Der kurze Vortrag von Derek Sivers aus dem Jahr 2010 bringt viele Dinge auf den Punkt, die man benötigt, um eine Bewegung zu starten. Er gibt aber auch viel Aufschluss darüber, was passiert, wenn sich neue Ideen verbreiten (sollen).

Nicholas Christakis und James Fowler kommen in ihrem Buch Connected zu einem ähnlichen Ergebnis: Meinungen, Ideen, Verhalten und eben auch „neue Formen des Arbeitens“ verbreiten sich genauso wie Krankheitserreger. Wie eine Epidemie breiten sie sich über unser soziales Netzwerk aus und springen von Person zu Person weiter, bis sie nicht mehr aufzuhalten sind. Und diese Ansteckung gilt eben nicht nur für Krankheitserreger, sondern auch für Gefühle, Modetrends oder neue Ideen. Aber woher kommt es dann, dass der verrückte Tänzer aus dem TED-Vortrag von Sivers andere davon überzeugen kann, mitzutanzen, während die Transformation von Konzernen zu agilen und digitalisierten Unternehmen gefühlt „bei Null“ liegt? Was fehlt der New-Work-Szene, um die Lawine ins Rollen zu bringen, damit sich ihre Ideen von alleine verbreiten?

Ideen verbreiten sich über Vernetzer und Verkäufer

Wie sich Ideen verbreiten

Die Verbreitung von Ideen verläuft in der Regeln in verschiedenen Phasen, die sich sehr schön auch am obigen Video ablesen lassen. Zunächst gibt es eine kleine Gruppe von Kennern und Experten, die ihr Fachwissen gerne mit anderen teilen. Hier entstehen neue Ideen, Veränderungen oder eben auch einfach nur eine neue, verrückte Art zu tanzen. Um aus dieser Idee eine „Bewegung“ zu machen, brauchen Innovatoren allerdings Hilfe. Diese Hilfe entsteht durch die sogenannten Early Adopters. (Im Vortrag von Sivers ist das der Tänzer, der als erstes hinzustößt.) Diese Vernetzer verfügen über ein großes soziales Netzwerk, das hilft, die Idee weiter nach außen zu transportieren. Derek Sivers weist bereits darauf hin, dass es wichtig ist, gerade diese Personen als gleichwertig zu behandeln. Nur so steht die „Bewegung“ im Vordergrund und nicht so sehr der ursprüngliche Experte. Aber ein zweiter Punkt ist an den Vernetzern meiner Meinung nach noch viel wichtiger:

Vernetzer kennen die richtigen Leute

Wenn Du Vernetzer oder Early Adopters für Deine Idee suchst, musst Du nicht nur viele Freunde und Kontakte haben. Du musst vor allem die richtigen Leute kennen. Diejenigen Menschen, die Du zuerst von Deiner Idee überzeugst, müssen an den zentralen Schnittstellen des Netzwerkes sitzen, das Du versuchst zu verändern. Es nützt nichts, wenn Du jemanden überzeugst, der keine „Sogwirkung“ entfalten kann. Dann hast Du vielleicht einen weiteren Experten in Deinem Innovatorenkreis, der dann ein kleines bisschen größer geworden ist. Aber Du entfaltest mit Deiner Idee keine Außenwirkung. Was dann entsteht, sind Diskussionen im „luftleeren Raum“. Und da ist es gleich, ob es 100 oder 101 Innovatoren sind. Was Du brauchst, sind 1 Innovator und 99 Vernetzer. Nur so entsteht Deine Early Majority.

Schau Dir noch einmal den Vortrag von Sivers an: Bei Sekunde 00:42 ruft der erste Mittänzer aktiv „weitere Verrückte“ hinzu. Aber dazu muss er eben auch „Verrückte“ kennen. Würde dieser lediglich mit drei „langweiligen Sparkassenberatern“ vor Ort sein, würde er keine Wirkung entfalten.

Verkäufer zeigen die Vorteile auf

Der zweite wichtige Schritt, um eine Bewegung zu starten, ist der Schritt von der Early Majority zur Late Majority. Du bist mit Deiner Idee schon so weit, dass Du ein kleine verschworene Gemeinde von Gleichgesinnten um Dich geschart hast. Nun brauchst Du Menschen, die Deinen Service, Dein Produkt oder Deine Idee weiterverkaufen. Im Video aus dem TED-Talk von Sivers geschieht das etwa bei Minute 01:22 und der sogenannte Tipping Point entsteht. Die Bewegung hat jetzt so viele Eigenenergie erzeugt, dass es fortan eher peinlich ist, nicht mitzumachen.

Damit sich Deine Idee verkaufen lässt, solltest Du Dir klar machen: Gekauft wird vor allem das, was jemandem Vorteile bringt. Catharina Bruns stellt in Work is not a Job drei Möglichkeiten dar, die ich sehr passend finde: Entweder man bietet relevante Informationen (1), ein positives Erlebnis (2) oder Zugehörigkeit (3). Eine neue Idee, ein Produkt oder ein Service muss „normalen“ Menschen eine Hilfestellung im Alltag sein und ihnen dort neue Möglichkeiten eröffnen. Neue Dinge sollten ein positives Erlebnis erzeugen (beispielsweise Zeitgewinn oder eine bessere oder angenehmere Zeit). Eine Idee sollte Zugehörigkeit erzeugen, damit derjenige, der sich mit ihr identifiziert, sich als Teil von etwas Größerem begreift. Vor allem solltest Du auf die Vorteile des Neuen konzentrieren und nicht darauf, das Negative des Alten herauszustellen.

Zwei Thesen zu New Work

In diesen zwei Punkten liegt meiner Meinung nach ein Kernproblem der New-Work-Szene. Es gelingt ihr weder die „richtigen“ Menschen von den eigenen Ideen zu überzeugen noch die Vorteile neuen Arbeitens ausreichend zu kommunizieren.

Die meisten, die sich in der New Work Szene umtreiben, holen fleißig Leute hinzu. Aber offensichtlich sind es die „falschen Leute“. (Damit meine ich jetzt nicht, dass es keine motivierten Menschen sind). Die neu Hinzukommenden entfalten keine Sogwirkung nach außen: Eine Anziehungskraft auf die Kontakte außerhalb der bereits bestehenden New-Work-Szene. So gesehen leidet New Work (vielleicht) daran, dass sie zwar viele Innovatoren, aber keine Vernetzer hat. Stattdessen bleibt eine Vielzahl von Innovatoren auf Twitter unter sich und beschwert sich darüber, dass niemand Twitter benutzt.

Die New-Work-Szene geht zu wenig auf die Vorteile neuer Arbeitsformen ein. Liest man die einschlägigen Innovatoren-Blogs, fällt vor allem auf, dass auf Althergebrachtes eingeprügelt wird und plötzlich „alles schlecht“ ist. Was soll da denn anderes entstehen, als eine Abwehrhaltung bzw. langwierige Grabenkämpfe? Disruption ist zwar schön und gut, aber wenn ich Menschen eine bedrohliche Zukunft ausmale, wenn sie sich nicht gefälligst schnell „digitalisieren“, kann man nicht ernsthaft erwarten, dass sich diese Zielgruppe auf Experimente einlässt. Menschen, die Angst haben, greifen auf Bewährtes zurück! (Und das unabhängig davon, ob diese Taktik funktioniert oder nicht funktioniert.)

Neue Verhaltensweisen, innovatives Denken und Raum für kreative Experimente – all das ist ja New Work – gedeihen nur dort, wo man ein positives Zukunftsbild entwirft. Future Design geht genau diesen Weg: Die Future7-Methode öffnet gezielt Möglichkeits-Räume und konzentriert sich darauf, diese gemeinsam positiv zu erschließen.

Ich will anders arbeiten!

Wir öffnen Räume und helfen Euch, diese Freiräume zu erobern!

Kontaktier uns, wenn Du unsere Unterstützung bei der Weiterentwicklung Deines Teams, Deiner Abteilung oder Deines Unternehmens brauchst. Wir helfen Euch dabei, Eure Organisation zu einem wandlungsfähigen Organismus zu entwickeln.
Ich will anders arbeiten!