In der letzten Woche hatte ich darüber geschrieben, wie man mit der Theorie der kreativen Felder erklären kann, warum es Wikipedia gelang, eine derart umfassende Enzyklopädie des menschlichen Wissens zu werden.

Dieser Beitrag ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn offen bleibt: Warum schreibt denn eigentlich nicht jeder an der Wikipedia mit? Auch wenn – wie im letzten Artikel erwähnt – in der Wikipedia Ehrfurcht gebietende 100 Millionen Stunden Denkzeit stecken, so gibt es doch eine Menge Menschen, die Wikipedia zwar als Informationsquelle benutzen, sich aber nicht daran beteiligen. Jane McGonigal hat in ihrem Buch Reality is broken einmal nachgerechnet:

Wenn alle 1,7 Milliarden Internetnutzer ihre gesamte im Internet verbrachte Zeit produktiv nutzen würden, würden täglich 100 Plattformen von der Größe Wikipedias entstehen können!(1)

Allerdings scheint es etwas hochgegriffen, davon auszugehen, dass wir stets produktiv sind, wenn wir uns im Internet bewegen. Doch selbst, wenn wir deutlich niedriger ansetzen, kommen wir immer noch auf ein beeindruckendes Ergebnis: Wenn wir jeden Internetnutzer dazu bewegen könnten, wenigstens eine Stunde pro Woche für produktive und kreative Zwecke aufzuwenden, ergäbe dies beinahe 20 Projekte mit dem Umfang von Wikipedia pro Woche.

Es stellt sich also die Frage, worum es nicht mehr Plattformen wie Wikipedia gibt. Eine Antwort darauf wäre, zu sagen, dass die meisten Projekte eben nichtdie Prinzipien für das Entstehen von kreativen Feldern beachten. Das mag für viele, vielleicht sogar den Großteil vieler Internetprojekte zutreffen, doch ist das nur eine Seite der Medaille.

Kreative Felder sind „erlebnismäßig strukturierter Raum“

Die Kehrseite der kreativen Felder ist die subjektive Wahrnehmung durch den Mensch selbst. Das heißt, wenn wir uns ein Projekt vorstellen, das ebenso wie Wikipedia die sieben Prinzipien für Team Flow beachtet, heißt dies noch lange nicht, dass das so erschaffene Feld von jedem auch so wahrgenommen wird. Wir stehen also immer vor der Aufgabe, uns unsere Umgebung aktiv zu erschließen und zuallererst Möglichkeiten für die eigene Entfaltung zu entdecken; sie sind also nicht „objektiv für jeden gegeben“.

Ob ein Feld für die Entfaltung meines kreativen Potentials günstig ist, hängt nicht nur von der gegebenen Struktur des Feldes ab, sondern auch von der Art und Weise, wie ich mir das Feld erschließe.[…] Die Art und Weise, wie ich mein Selbst in die Betrachtung der Landschaft einbringe und sie damit strukturiere, sagt etwas darüber aus, inwieweit ich in der Lage bin, meinen kreativen Spielraum auszunutzen.(2)

Persönliche Paradigmen

Dieser Umstand lässt sich auch als persönliches Paradigma erklären. Die entscheidenden Gründe, die verhindern, dass Kreativität und Innovation entstehen können, sind häufig nicht irgendwelche „externen Zwänge“, sondern beispielsweise Normen, mit denen wir aufgewachsen sind, negative Glaubenssysteme, denen wir anhängen, oder „augenscheinliche Gewissheiten“, die jedoch keine sind. Diese schieben sich wie eine Art „Filter“ vor unsere Wahrnehmung und entscheiden darüber, wie wir (kreative) Felder wahrnehmen und ob wir unsere eigene Kreativität entfalten können.

Persönliche Paradigmen in Unternehmen

Diese persönlichen Paradigmen jedes Menschen verhindern auch in Unternehmen, dass wichtige Veränderungen durchgeführt werden. Sie verfestigen sich in Leitsätzen wie „Das klappt sowieso nicht!“, „Ich kann das auch nicht ändern!“, „Letztes Jahr hatten wir ein ähnliches Projekt. Daraus ist auch nichts geworden!“, „Wieso soll ich das jetzt machen?“ oder „Nächste Woche ist das ohnehin wieder alles hinfällig!“ Ich vermute einmal, Du selbst wirst den einen oder anderen Satz so oder ähnlich auch schon in Deinem Unternehmen gehört haben. Oder vielleicht hast Du so etwas selbst schon gesagt?

Wer also Veränderung in Unternehmen bewirken will, die muss nicht nur Prozesse ändern, ein Wiki zur Verfügung stellen und Innovation einfordern. Sie muss sich auch mit den persönlichen Paradigmen ihrer Mitarbeiter befassen und auseinandersetzen und Wege finden, diese in die gewünschte Richtung zu lenken. Auch wenn das zugegebenermaßen ein langer Weg ist, da Verhaltensänderungen schwierig sind.

Man gibt immer den Verhältnissen die Schuld für das, was man ist. Ich glaube nicht an die Verhältnisse. Diejenigen, die in der Welt vorankommen, gehen hin und suchen sich die Verhältnisse, die sie wollen, und wenn sie sie nicht finden können, schaffen sie sie selbst.(3)

Ich will anders arbeiten!

Wir öffnen Räume und helfen Euch, diese Freiräume zu erobern!

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Ich will anders arbeiten!

Anmerkungen   [ + ]

1.Das war im Jahr 2009. Heute, 2016 hat sich die Zahl der Internetnutzer nach Schätzung von Statista verdoppelt!
2.Olaf-Axel Burow: Team Flow. 2015. Seite 81f.
3.George Bernard Shaw