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In diesem Blogartikel zeige ich Dir, wie Du die fünf Time-to-Learn-Phasen (T2L) des Evidence-Based Managements dazu nutzen kannst, um ein Validated Learning Board (VLB) zu erzeugen. Außerdem gebe ich Dir ein kurzes Beispiel, wie Du eine Feature-Hypothese formulieren kannst, die Du später auch wirklich validieren kannst.

Validated Learning Board für Features

Im Grunde ist die Idee, die hinter dem Validated Learning Board steckt, ziemlich einfach: Statt der häufig üblichen Kanban-Spalten To Do, Doing & Done nutzt Du die fünf T2L-Phasen Sketch (Idea), Build, Deliver, Use & Learn für Dein Board. Allerdings verwendest Du diese nicht für einzelne User Stories, sondern auf einer höheren Ebene, also beispielsweise für Features oder Epics. (Grundsätzlich kannst Du die T2L-Phasen auch für User Stories nutzen, aber dann wird Dein VLB in der Regel sehr schnell unübersichtlich. Wenn Du aber der Meinung bist, dass das für Dich funktioniert, kannst Du es natürlich gerne ausprobieren.)

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Damit Du gleichzeitig noch in der Lage bist, die Lead & Cycle Time für jedes Deiner Features bzw. Epics widerzugeben, solltest Du Dir Gedanken dazu machen, ab welcher Phase der Time-to-Learn-Metrik Du Dein Feature als begonnen bzw. abgeschlossen betrachten möchtest. (Hier geht es also darum die drei Phasen To Do, Doing & Done zuzuordnen. Manchmal heißen die Phasen auch unstarted, started und completed.) Wir selbst nutzen beispielsweise folgende Zuordnung:

Time to Learn Phasen (Features) Sketch (Idea) Build Deliver Use Learn
Status To Do Doing Doing Done Done

Die meisten digitalen Kanban-Boards unterstützen eine solche Zuordnung, sodass Du darüber die Lead & Cycle Time Deiner Features automatisch berechnen lassen kannst. Das obige Beispiel würde beide Kennzahlen wie folgt berechnen:

Time to Learn Phasen (Features) Sketch (Idea) Build Deliver Use Learn
Cycle Time
Lead Time

Hypothesen für Features formulieren

Damit Dein Validated Learning Board überhaupt funktioniert, reichen die fünf T2L-Phasen für Features allein natürlich nicht aus. Was Du benötigst, ist eine ausformulierte Hypothese, die Du in den beiden letzten Phasen validieren möchtest. In der Phase Use erhebst Du Daten und Informationen, die Du in Deiner Hypothese festgelegt hast. In der Phase Learn wertest Du diese Daten aus. Wie Du sehen kannst, ist es wichtig, dass Du für Deine Hypothese auch messbare Kriterien aufstellst, denn sonst funktioniert der Learning Circle nicht.

Wir persönlich nutzen eine Formulierung aus dem sogenannten Hypothesis Progression Framework(1):

Wir glauben, dass [Customer Segment] erfolgreich [Customer Pain] lösen können, indem sie [Feature] nutzen, wenn sie [Job to Be Done].

Wir wissen, dass sie erfolgreich sind, wenn wir [Kriterium] sehen.

Damit das Ganze nicht so theoretisch ist, hier ein kleines Beispiel. Stell Dir vor, Du möchtest Schachanfängern dabei helfen, besser Schach zu spielen und kennst einige wichtige Grundregeln für die Spieleröffnung. Dann könnte Deine Feature-Hypothese etwa folgendermaßen lauten:

Wir glauben, dass [Schachanfänger] erfolgreich das Problem lösen können, [häufig zu verlieren], indem sie [unsere 10 goldenen Eröffnungsregeln] nutzen, wenn sie [den gegnerischen König schlagen] wollen.

Wir wissen, dass sie erfolgreich sind, wenn sie [20 % häufiger ihre Spiele gewinnen].

Wie Du sehen kannst, ist das [Kriterium] dieser Feature-Hypothese stets auf den Nutzen beim Kunden (Stichwort outcome) fokussiert. Deshalb solltest Du den Satzteil „dass sie erfolgreich sind“ in jedem Fall so stehen lassen!

Metriken des Validated Learning Boards

Wenn Du das Validated Learning Board auf die hier vorgestellte Art und Weise verwendest und Deine Feature-Hypothesen entsprechend formulierst, hast Du bereits einige Metriken des Evidence-Based Managements in die Praxis umgesetzt. Zum einen hast Du durch das Kriterium Deiner Feature-Hypothese eine Metrik, die zur Key Value Area Current Value gehört und den Nutzen Deines Produktes sicht- und messbar macht. Lead Time und T2L sind Metriken, die zur Key Value Area Time to Market gehören.

Falls Du ein sehr gutes Kanban Board verwendest, zeigt es Dir auch (automatisch) an, wie lange sich jedes Deiner Features im jeweiligen Status befand, sodass Du darüber sehr leicht detaillierte Informationen zum Learning Cycle Deiner Organisation herauslesen kannst.

Anmerkungen

Anmerkungen

1 Mehr zum Thema HPF findest Du im Buch The Customer-Driven Playbook von Travis Lowdermilk & Jessica Rich. Ich werde aber demnächst auch dazu noch einen Blogartikel schreiben und eine Review zum Buch veröffentlichen.