Die Taxonomie der Lernstufen von Benjamin Bloom ist eine der wichtigsten Lernmodelle, die existieren, und die jeder Trainer oder Personalentwickler kennen sollte. Interessanterweise werden auf den verschiedensten Internetseiten oder auch in der Fachliteratur häufig lediglich die kognitiven Lernstufen der Taxonomie erläutert.

Drei Taxonomien der Lernstufen

Tatsächlich besteht das Modell von Benjamin Bloom jedoch aus drei unterschiedlichen Lernstufen, nämlich der kognitiven, affektiven und der psychomotorischen Taxonomie. Und meines Erachtens ist jeder Trainer gut beraten, alle drei Kategorien für seine eigene didaktische Planung zu beachten. Denn schnell konzentriert man sich zu stark auf die „reine Wissensvermittlung“ und legt somit einen zu starken Fokus auf kognitive Lernziele. Was dann fehlt, sind Aspekte wie das Herstellen von Aufmerksamkeit seitens der Lerner (affektive Lernziele) oder die praktische Anwendung der neuen Inhalte durch Übungen (psychomotorische Lernziele). Denn nur weil wir als Lerner etwas gedanklich nachvollzogen haben, heißt das noch lange nicht, dass wir dieses neue Wissen auch (im Alltag) anwenden können. Verhaltensänderung ist an sich schon eine schwierige Aufgabe und wenn wir uns als Trainer ausschließlich auf die reine Wissensvermittlung konzentrieren, wird sie umso schwieriger.

Neurologische Aspekte der dreigeteilten Taxonomie

Auch aus der neurologischen Perspektive betrachtet sind alle drei Taxonomien nach Bloom von Bedeutung: Der Hippocampus etwa ist ein zentraler Bereich unseres Hirns, der dafür zuständig ist, Erinnerungen (und somit Wissen und neue Informationen) abzuspeichern. Er ist sehr eng mit den für Emotionen zuständigen Gehirnarealen (dem sogenannten limbischen System) verknüpft und die neuere Forschung konnte belegen, dass Informationen umso besser gespeichert werden, desto intensiver das damit verbundene Gefühl ist: Positive Gefühle und eine gute Atmosphäre sind also hilfreich für eine langfristige Verankerung von neuem Wissen.

Auch die psychomotorischen Aspekte beim Lernen sind wichtig, um kein „träges Wissen“ zu generieren: Es ist ein Unterschied, ob man „weiß“ wie die Bewegungsabläufe beim Stabhochsprung von statten gehen oder ob man tatsächlich einen Stabhochsprung durchführt. Gleiches gilt auch für die Durchführung eines Feedbackgespräches oder die Nutzung eines neuen Warenwirtschaftsystems.

Die Taxonomiestufen im Überblick

Im Folgenden findest Du eine Übersicht über die Taxonomie der Lernstufen nach Benjamin Bloom.

Kognitive LernzieleAffektive LernzielePsychomotorische Lernziele
Bewertung (K6)
Synthese (K5)Verinnerlichung (A5)Naturalisierung (P5)
Analyse (K4)Wertesystem (A4)Handlungsgliederung (P4)
Anwenden (K3)Wertung (A3)Präzisierung (P3)
Verstehen (K2)Reaktion (A2)Manipulation (P2)
Wissen (K1)Aufmerksamkeit (A1)Imitation (P1)

Anwendung

Mit den verschiedenen Taxonomien nach Benjamin Bloom kannst Du nun sehr gut Ziele für die eigenen Schulungen und Workshops formulieren, so dass Du zum Einen immer gut im Blick hast, ob Du auch wirklich alle drei Dimensionen der Lernstufen beachtet hast und zum Anderen bei der Formulierung Deiner Schulungsziele siehst, wie hoch Du sozusagen „die Messlatte gesetzt“ hast. Hilfreich sind dabei verschiedene Verben, über die sich „operationalisierte Lernziele“ formulieren lassen, die jeder Taxonomiestufe zugeordnet sind. 

Beispiel für eine Zielformulierung

Die Teilnehmer sollen im Falle von Konflikten eine positive Einstellung zur Sichtweise anderer Personen entwickeln (A3) und durch die 3-Steps-Back-Technik (K1) in der Lage sein, eskalierende Gespräche zu analysieren (K4) sowie ihr eigenes Gesprächsverhalten in Konfliktsituationen, die in Rollenspielen simuliert werden, durch diese Kommunikationstechnik zu verbessern (P2).

Dieses Lernziel, das beispielhaft für eine Schulung zum Thema Konfliktmanagement stehen kann, vereint alle drei Kategorien der Lernstufen nach Bloom und zeigt außerdem, auf welchem Level die Ziele der Schulung gesteckt wurden. Erst wenn ein Schulungsziel so formuliert wurde, lassen sich die methodischen Fragen zur Planung einer Schulung wirklich beantworten: Wie erreiche ich diese positive Einstellung bei den Teilnehmern? Was brauchen sie, um ein Gespräch ausreichend analysieren zu können? Wie gut lassen sich die Inhalte in die Praxis umsetzen?

Fazit

Wenn Du Schulungen effizient und gut planen möchtest, führt für Dich letztlich kein Weg an der Taxonomie der Lernstufen vorbei. Nur so gelingt es Dir, alle wichtigen Aspekte (kognitive, affektive und psychomotorische Lernziele) im Blick zu behalten. Die Festlegung des Schwierigkeitsgrads hilft Dir außerdem dabei, Dir selbst Rechenschaft darüber abzulegen, wie Du methodisch in Deinen Schulungen vorgehen willst. Außerdem gibt Dir die Taxonomie auch Hinweise darüber, ob Du die Ziele für Deine Teilnehmer eventuell zu hoch oder zu niedrig gesteckt hast.

Eine sehr ausführliche Beschreibung der Taxonomiestufen nach Bloom findest Du übrigens auch noch im englischsprachigen Eintrag auf Wikipedia!