Dieser Artikel hat mich offen gestanden einiges an Nerven und sehr viel Zeit gekostet. Ich habe einige Versionen geschrieben und wieder verworfen und werde es bis Ihr dies lest wahrscheinlich erneut getan haben.

Warum? Weil ich begeistert von der Themenzentrierten Interaktion (TZI) bin und die dahinterstehende Haltung gerade in Hinblick auf lernende Organisationen in der heutigen Zeit als wichtig erachte. Daher habe ich ganz zu Beginn einige Seiten darüber geschrieben, wie die Themenzentrierte Interaktion entstanden ist und wie wichtig es ist, ihre Gründerin Ruth Cohn zu verstehen.

Diese Seiten habe ich mittlerweile gelöscht, denn was dort stand, war meine ganz persönliche Meinung, mein Warum hinsichtlich meiner Begeisterung für Ruth Cohn und der Themenzentrierten Interaktion. Und auch wenn sich ein Content nie ganz vom Schreiber lösen kann, möchte ich euch doch so alleine wie möglich erfahren und entscheiden lassen, wie und ob ihr diese Haltung für euch annehmt. Um mit einem Zitat der wunderbaren Ruth Cohn diese Einleitung abzuschließen:

Zu wenig Hilfe ist Diebstahl, zu viel Hilfe ist Mord.

ICH, WIR, ES, Globe – Das Kernstück der Themenzentrierten Interaktion

Die Themenzentrierte Interaktion ist in der humanistischen Psychologie anzusiedeln die, wie soll es anders sein, zu großen Teilen von Ruth Cohn entwickelt wurde. Angedacht war und ist die humanistische Psychologie (und später auch die humanistische Pädagogik) als Gegenpart zu den in den 50er/60er Jahren vorherrschenden Richtungen der Freudschen Analyse und des Behaviorismus.

In der Themenzentrierten Interaktion geht es zum Einen um eine Balance innerhalb des Miteinanders. Oftmals wird sie als Konfliktmanagement-Methode verwendet, was auch nicht ganz falsch ist. (Eine tolle Methode zur Bewältigung von Konflikten ist übrigens drawing together aus den liberating structures). Ein wenig näher kommt ihr jedoch, wenn man die TZI als Methodisierung einer Haltung ansieht. Einer Haltung, die uns New Workern ziemlich vertraut ist und um das näher zu erläutern, möchte ich noch einmal Ruth Cohn bemühen:

Was willst Du denn sonst mit Deinem Leben anfangen als so arbeiten, wie es das Credo, das Du im Herzen hast gebietet?

Wem das bekannt vorkommt, dem ist sicherlich das Credo von Frithjof Bergmann „Tu das, was Du wirklich, wirklich willst“ ebenso wie mir mittlerweile in die DNA eingebrannt.

In der TZI geht es demnach nicht einfach nur darum Konflikte zu verstehen und zu lösen. Es geht vielmehr darum, Menschen dabei zu unterstützen, herauszufinden wie das ICH, also die eigene Person, eine dynamische Balance zu dem WIR, also der Gemeinschaft in der wir agieren und dem ES, der Sache um die es geht, finden kann.

Und das alles in dem Rahmen, der uns durch äußere und innere Grenzen vorgegeben ist. Äußere Grenzen meint hierbei zum Beispiel Vorgaben innerhalb der Organisation, aber auch Umweltbedingungen. Innere Grenzen können auch u. a. die eigene Motivation sein. Diese Grenzen sind natürlich flexibel, sie können erweitert oder eingeschränkt werden, je nachdem in welchem Umfeld wir uns befinden.

Ein zweiter Aspekt der TZI ist es, sich zu fragen, wie Menschen und Themen (ICH/WIR und ES) nicht nur koexistieren können, sondern zusammenkommen. Oder auch hinsichtlich einer lernenden Organisation: Wie können Sachthemen so konstruiert werden, dass sie Menschen fördern und nicht erdrücken? Wie müssen Strukturen und Räume geöffnet werden, um sowohl das ICH/WIR, als auch das ES (bspw. das Unternehmen selbst) gedeihen zu lassen?

Ich will anders arbeiten!

Arbeiten in Zeiten des Wandels

Du möchtest in Deinem Unternehmen oder Deinem Team Räume öffnen, weißt aber nicht wie Du vorgehen sollst? Du hast von agilen Ansätzen oder NewWork gehört, weißt aber nicht, wo Du starten solltest? Du möchtest Dein Unternehmen z.B. mit Scrum oder Objectives & Key Results agiler machen? Wir beraten Dich gerne!

Ich will anders arbeiten!

Und wo wir gerade bei Flexibilität hinsichtlich der Grenzen waren. Es gibt übrigens nicht die eine einzig richtige, wahre TZI. Genauso wenig gibt es ja auch die einzig richtige Haltung. Und es gibt auch nicht die einzig richtig lernende Organisation.

Alles sollte in einem Kontext gesehen werden. Es gibt immer Dopplungen, immer Einschränkungen zum Extrem. Nichts ist allgemein und allein gültig. Der Zusammenhang ist entscheidend.

So gehe ich persönlich auch mit New Work um. Ja, ich lebe diese Haltung und ich glaube an sie. Aber muss deswegen jeder zwangsläufig alles tun, was sich schlaue Köpfe diesbezüglich ausgedacht haben? Schöne neue New-Work- und TZI-Welt? Nein, natürlich nicht. Jeder ist individuell und genauso gehen wir von FlowWork.Rocks! auch vor. Wenn euch jemand sagt, dass es die eine Lösung für jeden und alles gibt, dann lauft ganz schnell weg.

Die richtigen Fragen stellen

Du solltest Dich also fragen:

  • Wo stehe ich?

  • Wo stehen meine Mitarbeiter, Kollegen?

  • Was ist der nächste wichtige kleine Schritt?

Und dann erst kommt die Frage nach der richtigen Fassung des Themas, nach der richtigen Struktur.

Als Trainerin kann ich euch sagen, dass ich bass erstaunt war, als ich das las. Denn was tut ein guter Trainer? Richtig! Er schaut sich erst einmal die Bedürfnisse seiner Teilnehmer an. Was brauchen sie, wo stehen sie gerade und wie kann ich davon ausgehend hier unterstützen? Und erst dann kommen die Rahmenbedingungen, Inhalte und Methodik. Wobei immer darauf zu achten ist, dass die Letztgenannten auf die Bedürfnisse der Teilnehmer einzahlen.

Und auch als Führungskräfte ist dies wichtig für euch zu wissen. Es geht nicht darum, einfach die erwarteten Ziele seitens der Geschäftsführung ins Feld zu führen und zu erwarten, dass das schon irgendwie klappt. Ist ja schließlich eine Anweisung von ganz oben.

Weder als Führungskraft, noch als Trainer, Scrum Master etc. darf das, was ich tue, einfach nur dafür da sein Macht über eine Gruppe auszuüben. Ich muss immer im Interesse der Gruppe selbst handeln, die ich „leite“. Und glaubt nicht, dass ich als Trainerin nicht gerne im Mittelpunkt stehe und es mir leicht fällt mich zurück zu halten und den Teilnehmern die Bühne zu überlassen. Daher ist es wichtig, immer wieder sich selbst zu hinterfragen, an sich zu arbeiten.

  • Mehr zum Thema Führung, speziell zur resonanten Führung findest Du hier.

Und das meint im Übrigen einer der wichtigen Begriffe innerhalb der TZI: Sei deine eigene Chairperson. Vertritt Dich selbst, aber hinterfrage Dich auch.

Und jetzt müssen alle ganz stark sein…

Tja, ich weiß nicht, wie ich es Euch schonend beibringen soll ihr Agilen, Schnelldenker, Sofort-Umsetzer, Sofort-Ergebnis-Erwartende…

Nach der Themenzentrierten Interaktion geht nur Destruktion schnell. Man muss den Dingen Zeit geben, um zu wachsen und Räume und Strukturen öffnen, um die Menschen wachsen zu lassen. Das geht leider nicht von heute auf morgen. Ein paar Hintergründe dazu, warum das so ist, findet Ihr in diesem Blogbeitrag.

Geht es Euch noch gut? Keine Sorge, Ihr seid nicht alleine. Als sehr ungeduldiger Mensch muss ich hart an mir arbeiten, um das zu verkraften und mir vor allem zu Eigen zu machen. Themenzentrierte Interaktion hin oder her. Aber ich glaube daran, dass es sich auf die meisten Dinge lohnt zu warten.

Was Euch beim nächsten Artikel zur Themenzentrierten Interaktion erwartet…

Wer sich schon einmal mit der TZI und Ruth Cohn beschäftigt hat, dem werden hier bislang ein paar wichtige Dinge gefehlt haben. Die 6 Axiome der TZI in deren Mittelpunkt die Selbstverwirklichung steht.

Das möchte ich Euch gerne im nächsten Artikel zur TZI näher bringen.

Wenn Euch zusätzlich noch wichtige Aspekte fehlen, freue ich mich über eine Rückmeldung.

Also: to be continued….

P.S. Wer sich noch eingehender mit Ruth Cohn und der TZI beschäftigen möchte, dem empfehle ich als Erstes dieses Video anlässlich Ruth Cohns 100sten Geburtstag. Eine tolle Rede von Friedemann Schulz von Thun.