Rezension: Frag immer erst warum (Start with Why)

  • Rezension Frag immer erst warum Start withWwhy Simon Sinek

Rezension: Frag immer erst warum (Start with Why)

Es gibt ja eine Vielzahl von Autoren, die uns weismachen wollen, sie hätten die ultimative Erfolgsformel gefunden. Simon Sineks Buch Frag immer erst: warum wirkt auf den ersten Blick ähnlich. Aber Start with Why ist eher ein Muster, das jedem erfolgreichen Unternehmen zugrunde zu liegen scheint.

3.9 / 5 Gesamt
Pro
  • Ein Inspirierender Einblick in die Wirkung des "Goldenen Kreises"
  • Viele nachvollziehbare Beispiele
Kontra
  • Sehr viele Wiederholungen
  • Schlechtes Korrektorat
Aufmachung
Inhalt
Praxisbezug
Preis

Aufmachung und Aufbau

Simon Sineks Buch Frag immer erst: warum (Start with Why) gliedert sich in insgesamt sechs Teile, in denen der Autor dem Leser das Modell des Goldenen Kreises näher bringt. Im ersten Teil beginnt der Autor damit, zwischen Manipulation und Inspiration zu unterscheiden, um dann im zweiten Teil seine Theorie des Golden Kreises vorzustellen. Sinek stellt fest, dass wirklich erfolgreiche Firmen wie Apple, Disney oder Harley Davidson, die eine extrem loyale Kundschaft haben, auf Manipulation weitestgehend verzichten und stattdessen durch Inspiration Loyalität erzeugen. Das gelingt ihnen, weil sie uns eine Antwort auf die Frage: Warum? geben.

Im dritten und vierten Teil von Frag immer erst: warum überträgt er die Inspirationsquelle des Goldenen Kreises auf den Firmenchef eines Unternehmens, der sozusagen die Idee des Unternehmens verkörpere. (Seine Idee ähnelt in dieser Hinsicht dem, was Olaf-Axel Burow in seinem Buch Team Flow Kristallisationskern nennt.) Zeitgleich brauche ein solcher Firmenchef aber auch Menschen, die wissen, wie diese Vision umzusetzen ist. Fällt der Firmengründer als Verkörperung des Unternehmens weg, verliert es sehr häufig auch seinen Kern und das Unternehmen gerät ins Schwimmen, wie Sinek im fünften Teil von Start with why anschaulich beschreibt. Es greift dann wieder verstärkt auf Manipulation statt Inspiration zurück. Im sechsten und letzten Teil gibt Sinek einen sehr persönlichen Einblick, denn er beschreibt anhand seiner eigenen Beraterfirma, wie diese ihren Kern verloren habe und somit auch nicht mehr erfolgreich war.

Der Aufbau des Buches Frag immer erst: warum ist logisch und konsequent. Was stört, sind die vielen Wiederholungen bestimmter Kernsätze. Das mag Simon Sineks Vergangenenheit als Werbemanager geschuldet sein. Leider tauchen auch einige Passagen aus der Einleitung fast identisch in späteren Teilen des Buches wieder auf. So beschleicht den Leser recht häufig das Gefühl: „Das hab ich doch schonmal gelesen, oder?“ Was allerdings noch störender ist, sind die vielen Druck- bzw. Rechtschreibfehler im Buch. Korrektorat und Lektorat des Buches sind nicht wirklich gelungen – zumindest in der deutschen Ausgabe.

Inhalt

Inhaltlich hat Start with Why eine ganze Menge zu bieten. Die Unterscheidung zwischen Manipulation und Inspiration läuft letztlich auf den Unterschied von extrinsischer und intrinsischer Motivation hinaus. Denn unter Manipulation versteht Simon Sinek Verkaufsstrategien wie einen günstigen Preis, Rabattaktionen, das Schüren von Angst (Nachteile, wenn man ein Produkt nicht besitzt), Wünsche, Gruppendruck oder sogenannte Neuerungen.(1) All das funktioniere nach Sinek zwar, sei aber in der Regel sehr kostspielig, da es eben nur Manipulation von Kunden sei. Manipulation führt zwar zu Transaktionen, aber nicht zu Loyalität – weder bei den eigenen Mitarbeitern noch bei den Kunden.

Die meisten Firmen können lediglich benennen, was sie tun (äußere Kreisebene) oder auch wie sie es tun (mittlere Kreisebene). Aber sie könnten nicht benennen, warum sie es tun. Diese Firmen haben keinen Kern und wir wissen nicht, woran sie glauben – weder als Mitarbeiter noch als Kunde. Stellen Sie sich eine x-beliebige Firma vor, die sagt: Wir produzieren Computer (Was). Wir achten sehr stark auf Qualität, schnelle Prozessoren und gutes Design (Wie). Im Gegensatz dazu argumentiert Apple ganz anders:

  • Wir stellen Bestehendes infrage. (Warum)
  • Deshalb tun wir die Dinge so, wie wir sie tun, und arbeiten beständig daran, die Dinge anders zu tun, als es die große Mehrheit macht. (Wie)
  • Unsere Produkte sind der Beweis für das, woran wir glauben. (Was)

Man mag Apple mögen oder nicht – Jeder von uns weiß, woran Apple glaubt. Wir wissen aber nicht, woran DELL oder hp glauben. Letztere Firmen haben kein Warum und müssen sich beim Verkauf ihrer Produkte auf die eingangs erwähnten Manipulationstechniken stützen. Apples Warum hingegen zieht sowohl Mitarbeiter und Kunden an, die das Gleiche glauben wie Apple.

Interessanterweise unterscheiden sich die Firmen Apple, DELL oder hp kaum in dem, was sie tun und wie sie es tun. Apples Produkte sind im Vergleich genauso gut oder schlecht wie die Produkte jeder anderen Firma. (Das ist allerdings etwas, was ein eingefleischter Apple-Jünger niemals zugeben würde.) Wenn ein Unternehmen die Frage auf ein Warum gibt, muss sie nicht einmal ein besseres Produkt haben als andere. iPhones unterstützten beispielsweise niemals die sogenannnte Flash-Technologie, weil Apple nicht an Flash glaubte und das Bestehen dieser Technologie infrage stellte. Statt für so ein Vorgehen vom Kunden abgestraft zu werden, wurden sie hingegen dafür gefeiert. Ihre loyale Kundschaft nahm sogar Einschränkungen und offensichtliche Nachteile in Kauf, denn für sie war und ist das iPhone der Beleg dafür, woran Apple und sie selbst glauben.

TED-Talk von Simon Sinek – Der Goldene Kreis

Praxisbezug

Frag immer erst: warum bietet ein großes Füllhorn an Beispielen, Anekdoten und Geschichten, die Simon Sineks Modell des Goldenen Kreises sehr anschaulich wiedergeben.

Preis

Preislich ist Frag immer erst: warum mit 19,99 € ziemlich teuer. Das englischsprachige Original Start with Why kostet im Gegensatz dazu knapp die Hälfte. Ganz besonders übel stößt der Preis auf, wenn man das mangelhafte Korrektorat und Lektorat in diese Bewertung mit einfließen lässt.

Fazit

Trotz der Lektoratsmängel ist Frag immer erst: warum ein extrem lesenswertes Buch, das in keinem Bücherregal fehlen sollte.

Anmerkungen   [ + ]

1. Neuerungen sind im Grunde lineare Weiterentwicklungen bereits existierender Produkte, aber keine echten Innovationen.

Über den Autoren:

Ich glaube an eine Arbeitswelt, in der Menschen darauf brennen, am Montag endlich wieder zur Arbeit gehen zu dürfen. Deshalb inspiriere ich Menschen, Unternehmen und Organisationen, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sich Motivation und Engagement entfalten können.

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