Review: Work is not a job

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Review: Work is not a job

Mit work is not a job hat Catharina Bruns vor ein paar Jahren ein Buch vorgelegt, das vor allem gute Überzeugungsarbeit dafür leistet, das Thema Selbstständigkeit aus einem neuen anderen Blickwinkel zu betrachten. Denn dieses Thema scheint gerade in Deutschland ein wenig angestaubt.

Review 0
3 / 5 Gesamt
Pro
  • Macht Mut, Selbstständigkeit zu wagen
  • Erfrischend positive neue Perspektiven
Kontra
  • Viele Wiederholungen
  • Unabhängigkeit vs. Autonomie
Aufmachung
Inhalt
Praxisbezug
Preis

Aufmachung und Aufbau

Work is not a job gliedert sich in insgesamt drei Teile mit je vier Kapiteln. Der erste Teil („Arbeit neu denken“) befasst sich auf 80 Seiten vor allem mit dem Thema, warum Konzerne uns nicht die Möglichkeit zur Entfaltung geben können (bzw. wollen) und was der Unterschied zwischen Job, Karriere und Berufung ist.

Im zweiten Teil geht es darum, wie wichtig es ist, das, was man ist, zu dem zu machen, was man tut. Um das zu erreichen, müsse man die Welt als einen Spielplatz (mit unendlichen Möglichkeiten und Chancen) begreifen und nicht als Gefängnis, das nur aus Zwängen von außen besteht. Nur so könne man zum Kristallisationskern für andere werden und Mitstreiter für seine Ideen und Visionen finden.

Im dritten und letzten Teil (Work is not a job) motiviert Catharina Bruns den Leser in erster Linie dazu, das in der Welt neu zu erschaffen, was er in ihr vermisst. Denn die simple Botschaft sei die, dass Schaffen Freude mache und Unabhängigkeit bringe.

Insgesamt umfassen die drei Teile jeweils zwischen 70 und 80 Seiten, sodass auf jedes der Kapitel circa 15-20 Seiten entfallen. Allerdings ist jedes Kapitel noch in weitere Unterkapitel aufgeteilt, die teilweise nur 1-3 Seiten umfassen. Häufig ist eine komplette Seite mit einem einzigen Sinnspruch, Zitat oder Slogan verziert.

Inhalt

Die Botschaft von work is not a job ist bereits auf den ersten 30 Seiten klar formuliert: Für große Konzerne ist es nicht von Interesse, uns die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben. Konzerne möchten in erster Linie eine bestimmte Stelle (=Funktion) besetzen, die wir auszufüllen haben. Es ist daher ziemlich utopisch zu glauben, dass wir dort (mehr oder weniger durch Zufall) den „passenden Traumjob“ finden können, durch den wir uns selbst verwirklichen können. Wer in seiner Arbeit aufgehen möchte, der steht vor der Herausforderung, sich diese Tätigkeit selbst zu erschaffen.

Die Rede ist also von Entrepreneurship und den vielen anderen Möglichkeiten, die uns eine moderne, digitalisierte Gesellschaft bietet. Denn zugegebenermaßen war es nie einfacher, seinen eigenen Traum(-job) zu verwirklichen als heutzutage. Letztlich werden wir – wenn wir uns in irgendeiner Form selbstständig machen – sogar mehr belohnt als andere, denn durch die Verwirklichung der eigenen Vision erreichen wir sehr viel mehr, als wir dies durch einen normalen Bürojob je haben können. Nur dann erhalten wir für einem Job, für den wir Geld kriegen, „work“, in der wir als Person aufgehen. Im Großen und Ganzen ist die Selbstverwirklichung durch Entrepreneurship also dem Floweffekt nach Mihaly Csikszentmihalyi sehr ähnlich. Neu daran ist, dass man Flow (meistens) nicht in der Welt der Konzerne in Form des Traumberufes findet.

Warum Catharina Bruns für diese Botschaft allerdings gute 240 Seiten benötigt, wollte mir nicht so richtig klar werden.

Praxisbezug

Der Praxisbezug des Buches ist verschwindend gering. Hauptsächlich geht es darum, dem Leser von work is not a job eine neue Gedankenwelt zu eröffnen. Was zugegebenermaßen außerordentlich gut gelingt. Fairerweise muss man auch anmerken, dass es gar nicht das Ansinnen der Autorin war, einen Praxisratgeber zu schreiben. Dieser wurde jedoch kürzlich in Form des Nachfolgebandes: Frei sein oder frei haben nachgeliefert.

Preis

Der Preis ist für ein Softcover mit ca. 20 Euro relativ hoch, geht aber grundsätzlich in Ordnung.

Fazit

Der Umfang des Buches ist – meiner bescheidenen Meinung nach – größer als der Inhalt. (Was nicht heißt, dass der Inhalt nicht gut ist!) Allerdings führt dieser Umstand zu sehr vielen Wiederholungen, die den Leser in ein dichtes Netz aus kurzen und tiefgehenden Zitaten einweben und sicherlich nachdenklicher machen, als eine trockene Argumentationskette „pro Entrepreneurship“. Vielleicht ist es auch darauf zurückzuführen, dass Catharina Bruns sehr viel Überzeugungsarbeit leisten wollte, ich als Leser in vielen Aspekten hingegen schon vorher überzeugt war. In jedem Fall ist es ihr gelungen, auch in mir (wieder) diesen speziellen Funken zu entzünden.

Unter den Tisch gefallen ist meiner Meinung nach der Einfluss anderer Menschen und unseres sozialen Netzwerkes. Denn der Glaube an individuelle Genies ist ein Mythos. Großes und Besonderes entsteht tatsächlich nur im Austausch mit anderen. Deshalb ist mir persönlich der Aspekt der Unabhängigkeit viel zu stark betont. Denn work is not a job fokussiert sich auf diese Idee des eigenen, individuellen Genies. Vollkommene Unabhängigkeit bedeutet, dass man etwas nur und ausschließlich für sich selbst tut und sich auch nicht auf andere ver- oder einlässt. Daraus entspringt letztlich ein überzogener Individualismus, der die „vollkommene Freiheit“ einfordert, um die eigenen Ziele und Visionen zu erreichen.

Persönlich würde ich hier eher Autonomie als Mittel zur Selbstverwirklichung sehen. Das klingt jetzt vielleicht zunächst nach Wortdrechselei, aber im Unterschied zur „totalen Unabhängigkeit“ wie sie Catharina Bruns in work is not a job fordert, bedeutet Autonomie, dass ich mir zwar eigene Ziele setze, aber dabei zugleich auf die Beziehung zu anderen achte. Wer autonom (statt unabhängig) handelt, handelt in Übereinstimmung mit den eigenen Interessen und Werten, allerdings immer in Hinsicht auf andere. Dass gerade andere Menschen eine sehr große Rolle spielen, wenn es darum geht, unsere eigenen Ziele zu erreichen, kann man etwa auch an so beeindruckenden Beispielen wie etwa Wikipedia sehen.

Wenn Du Dich intensiver mit dem Unterschied zwischen Unabhängigkeit und Autonomie beschäftigen möchtest, empfehle ich Dir übrigens meinen Blogartikel Autonomie verstehen.

Von |2018-08-29T15:21:02+00:006. Februar 2017|Kategorien: Reviews|Schlagworte: , , |1 Kommentar

Über den Autoren:

Ich glaube an eine Arbeitswelt, in der Menschen darauf brennen, am Montag endlich wieder zur Arbeit gehen zu dürfen. Deshalb helfe ich Menschen, Unternehmen und Organisationen, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sich Motivation und Engagement entfalten können.

Ein Kommentar

  1. Lydia 6. Februar 2017 um 10:05 Uhr - Antworten

    Danke für die ehrliche Review. Ich kann mir das Buch jetzt ganz gut vorstellen. Das Buch ist auf meiner (elend langen) Liste, auch wenn ich zu dem Thema nicht mehr überzeugt werden muss. 🙂

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