Die wichtigste Erkenntnis nach Lesen des Buches Why we do what we do könnte folgende für Dich sein: „Motivation ist nichts, was man von außen in jemanden ‚hineintun‘ kann.“ Insofern ist schon alleine die Fragestellung „Wie kann ich meinen Mitarbeiter dazu motivieren, xy zu tun?“ falsch. Richtiger wäre es vielmehr, sich zu fragen, wie Du seine existierende Arbeitsumgebung (und Dein eigenes Führungsverhalten) verändern kannst, damit Dein Mitarbeiter sich selbst motivieren kann.

Aufmachung und Aufbau

Die Struktur des Buches Why we do what we do ist außerordentlich gut gelungen: Das Buch ist aufgeteilt in insgesamt vier Teile, welche der Reihe nach die menschlichen Grundbedürfnisse (Basic Needs) Autonomie, Kompetenz (d.h. Flow) und soziale Eingebundenheit (d.h. Gemeinschaft) anschaulich erläutern. Die Schlussfolgerungen werden mit einer unendlichen Vielzahl aufgeführter Studien aus mehreren Jahrzehnten untermauert, sodass man als Leser jederzeit gut nachvollziehen kann, woher die jeweilige Aussage kommt und wie sie begründet wird.

Im dritten Teil schließlich führt Edward Deci seine Ergebnisse zusammen und bringt die Erkenntnisse auf eingängige Kurzformeln, die auf dem zuvor ausgebreiteten Hintergrund sehr verständlich und nachvollziehbar sind. Der zehnseitige vierte Teil schlägt dann einen großen Bogen zu den anfänglichen Fragestellungen des Buches.

Inhalt

Why we do what we do erläutert sehr anschaulich und ausführlich die Unterschiede zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation und vermittelt ein Gefühl dafür, welche Gefahren und Nachteile kontrollierendes Verhalten durch Belohnung und Strafemit sich bringt. Er zeigt, dass schon unbedachte kontrollierende Äußerungen wie „Du sollst aber xy tun!“ oder „Ihr müsst xy machen!“ extreme Auswirkungen auf die Motivation eines Menschen haben. Und weiter wirst Du nach dem Lesen dieses Buches wissen, warum Kontrolle von Menschen ein Verhalten bei diesen Menschen hervorruft, das (noch mehr) Kontrolle erfordert.

Der Schlüssel zu Edward Decis Gedankenwelt sind die drei Grundbedürfnisse eines jeden Menschen: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit. Auf diese Grundpfeiler stellt Deci ein Gedankengebäude, das Dir helfen wird, viele Beobachtungen aus Deinem ganz normalen Arbeitsalltag mit anderen Augen zu sehen. Du wirst verstehen, warum Mitarbeiter „Abkürzungen“ entwickeln, sobald Du das Ziel einer Tätigkeit entkoppelst und wann Belohnungen, Bewertungen, Badges und Awards helfen und förderlich sind und wann nicht. Mithin der mächtigste Faktor zur Weckung und Förderung intrinsischer Motivation ist Wahlfreiheit, denn nichts motiviert uns mehr als die eigene, freiwillige Entscheidung eine Tätigkeit auszuüben.

Wenn Du Dich außerdem mit Gamification beschäftigst, wirst Du in Edward Decis Werk Why we do what we do viele Parallelen und Gemeinsamkeiten mit Jane McGonigals Buch Reality is broken entdecken können und ein noch besseres Verständnis dafür entwickeln, wann und warum Gamification funktioniert und wann eben nicht.

Decis Buch Why We Do What We Do ist streckenweise sehr anspruchsvoll und ein wenig „sperrig“. Wenn Du mit englischer Literatur noch nicht so vertraut bist, empfehle ich Dir das Buch Drive von Dan Pink. Pinks Gedanken geben (unter anderem) Edward Decis Gedanken im Großen und Ganzen einfacher, aber nicht weniger präzise wieder.

Praxisbezug

Die Rückschlüsse, die sich mit der Selbstbestimmungstheorie aus Why we do what we do für die Praxis ziehen lassen, können im Grunde gar nicht als hoch genug eingeschätzt werden. Insbesondere die vielen prägnanten Formeln, Tipps und Hinweise im dritten Teil des Buches sollten als „Merksätze“ für jeden Teamleiter in großen Lettern an der Bürowand prangen.

Preis

Mit lediglich 11.60 € ist das Buch preiswert zu haben und im Gegensatz zu vergleichbarer deutscher Fachliteratur nur als ausgesprochen günstig zu bezeichnen.

Fazit

Wenn Du Dich mit dem Thema Motivation beschäftigst, darf dieses Buch keinesfalls in Deinem Bücherregal fehlen!