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Es gibt ja eine Vielzahl von Autoren, die uns weismachen wollen, sie hätten die ultimative Erfolgsformel gefunden. Simon Sineks Buch wirkt auf den ersten Blick ähnlich. Deshalb haben wir die Gelegenheit ergriffen, Start with Why eine kleine Review zu spendieren.

Aufmachung und Aufbau

Simon Sineks Buch Start with Why gliedert sich in insgesamt sechs Teile, in denen der Autor dem Leser das Modell seines Golden Circles näher bringt.

Manipulation vs. Inspiration

Im ersten Teil beginnt der Autor damit, zwischen Manipulation und Inspiration zu unterscheiden, um dann im zweiten Teil seine Theorie des Golden Kreises vorzustellen. Sinek stellt fest, dass wirklich erfolgreiche Firmen wie Apple, Disney oder Harley Davidson, die eine extrem loyale Kundschaft haben, auf Manipulation weitestgehend verzichten und stattdessen Loyalität durch Inspiration erzeugen. Das gelingt ihnen, weil sie uns eine Antwort auf die Frage WARUM? geben.

Der Gründer als Kristallisationskern

Im dritten und vierten Teil von Start with Why überträgt Simon Sinek die Inspirationsquelle des Golden Circles auf den Firmenchef eines Unternehmens, der sozusagen die Idee des Unternehmens verkörpere. Sineks Idee ähnelt in dieser Hinsicht dem, was Olaf-Axel Burow in seinem Team Flow Model einen Kristallisationskern nennt. Zeitgleich brauche ein solcher Firmenchef aber auch Menschen, die wissen, WIE diese Vision umzusetzen ist.

Rückfall in den Weg der Manipulation

Entfällt der Firmengründer als Verkörperung des WARUM’s, verliert eine Organisation sehr häufig auch ihren Kern und gerät ins Schwimmen, wie Sinek im fünften Teil von Start with Why anschaulich beschreibt. In solchen Situationen greifen Organisationen dann wieder verstärkt auf Manipulation statt Inspiration zurück.

Im sechsten und letzten Teil gibt Sinek einen sehr persönlichen Einblick, denn er beschreibt anhand seiner eigenen Beraterfirma, wie diese ihren Kern verloren habe und somit auch nicht mehr erfolgreich war.

Fazit zum Aufbau

Der Aufbau von Start with Why ist logisch und konsequent. Was stört, sind die vielen Wiederholungen bestimmter Kernsätze. Das mag Simon Sineks Vergangenheit als Werbemanager geschuldet sein. Leider tauchen auch einige Passagen aus der Einleitung fast identisch in späteren Teilen des Buches wieder auf. So beschleicht den Leser recht häufig das Gefühl: „Das hab ich doch schonmal gelesen, oder?“

Inhalt

Inhaltlich hat Start with Why eine ganze Menge zu bieten. Die Unterscheidung zwischen Manipulation und Inspiration läuft letztlich auf den Unterschied von extrinsischer und intrinsischer Motivation hinaus. Denn unter Manipulation versteht Simon Sinek Verkaufsstrategien wie einen günstigen Preis, Rabattaktionen, das Schüren von Angst, Wünsche, Gruppendruck oder sogenannte Neuerungen. Neuerungen sind im Grunde lineare Innovationen bereits existierender Produkte, aber keine echten emergenten Innovationen. All das funktioniere nach Sinek zwar, sei aber in der Regel sehr kostspielig, da es eben nur Manipulation von Kunden sei. Manipulation führt zwar zu Transaktionen, aber nicht zu Loyalität – weder bei den eigenen Mitarbeitern noch bei den Kunden.

  • Die Methodik der Manipulation hat im Übrigen auch sehr viele Ähnlichkeiten mit Thalers Nudges-Konzept.

Apple als Beispiel für ein starkes WARUM

Die meisten Firmen können lediglich benennen, WAS sie tun oder auch WIE sie es tun. Aber sie könnten nicht benennen, WARUM sie es tun. Diese Firmen haben keinen Kern und wir wissen nicht, woran sie glauben – weder als Mitarbeiter noch als Kunde. Stell Dir eine x-beliebige Firma vor, die sagt: Wir produzieren Computer (WAS). Wir achten sehr stark auf Qualität, schnelle Prozessoren und gutes Design (WIE). Im Gegensatz dazu argumentiert Apple ganz anders:

  • Wir stellen Bestehendes infrage. (WARUM)

  • Deshalb tun wir die Dinge so, wie wir sie tun, und arbeiten beständig daran, die Dinge anders zu tun, als es die große Mehrheit macht. (WIE)

  • Unsere Produkte sind der Beweis für das, woran wir glauben. (WAS)

Man mag Apple mögen oder nicht – Jeder von uns weiß, woran Apple glaubt. Wir wissen aber nicht, woran DELL oder HP glauben. Letztere Firmen haben kein WARUM und müssen sich beim Verkauf ihrer Produkte auf die oben erwähnten Manipulationstechniken stützen. Apples WARUM hingegen zieht sowohl Mitarbeiter als auch Kunden an, die an das Gleiche glauben wie Apple.

Das WARUM macht den Unterschied

Interessanterweise unterscheiden sich die Firmen Apple, DELL oder hp kaum in dem, WAS sie tun und wie sie es tun. Apples Produkte sind im Vergleich genauso gut oder schlecht wie die Produkte jeder anderen Firma.(1) Wenn ein Unternehmen die Frage auf das WARUM gibt, muss sie nicht einmal ein besseres Produkt haben als andere. iPhones unterstützten beispielsweise niemals die sogenannte Flash-Technologie, weil Apple nicht an Flash glaubte. Apple stellte das Bestehen dieser Technologie infrage.

Statt für dieses Vorgehen von Kunden abgestraft zu werden, wurden sie dafür gefeiert. Ihre loyale Kundschaft nahm Einschränkungen und offensichtliche Nachteile in Kauf, denn für sie war und ist das iPhone der Beleg dafür, woran Apple und sie selbst glauben.

  • Der Golden Circle kann eine große Hilfe sein, wenn Du Dein Unternehmen in eine Purpose Driven Organization transformieren möchtest.

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Purpose Quest

TED-Talk von Simon Sinek – Der Goldene Kreis

Praxisbezug

Start with Why bietet ein großes Füllhorn an Beispielen, Anekdoten und Geschichten, die Simon Sineks Modell des Golden Circles sehr anschaulich wiedergeben.

Preis

Preislich ist Start with Why für 9,49 zu haben. Die deutsche Übersetzung hingegen liegt doppelt so hoch.

Fazit

Abschließend können wir in dieser Review nur festhalten, dass Start with Why ein extrem lesenswertes Buch ist, das in keinem Bücherregal fehlen sollte.

Anmerkungen

Anmerkungen

1 Das ist allerdings etwas, was ein eingefleischter Apple-Jünger niemals zugeben würde.