Mit Difficult Conversations ist Sheila Heen, Douglas Stone und Bruce Patton vom Harvard Negotiation Project ein außerordentlich lesenswertes Buch über die Prinzipien und Mechaniken schwieriger Gespräche gelungen.

Wie auch sein Nachfolger Thanks for the Feedback gibt es an diesem Buch nur einen einzigen Nachteil: Es gibt bisher keine deutsche Übersetzung. Gemessen an dem, was beide Bücher bieten, ist diese Tatsache absolut unverständlich. Denn sie sind dem, was deutschsprachige Literatur zu diesem Themenbereich bietet, meilenweit überlegen.

Aufmachung und Aufbau

Der Aufbau von Difficult Conversations folgt den drei Ebenen, die schwierige Gespräche zu dem machen, was sie sind. Es sind die Ebenen der Wahrheit, der Gefühle und der Identität. Im ersten Teil (Shift to a Learning Stance) werden die einzelnen Ebenen und ihre Mechanismen sehr anschaulich an konkreten Beispielen erläutert. Damit zeigen Stone, Heen und Patton detailliert, dass wir in Konflikten immer auf mehreren Ebenen gleichzeitig operieren müssen.

Im zweiten Teil des Buches (Create a Learning Conversation) liefern die Autoren einen umfassenden Praxisteil mit vielen Modellen, Methoden und Kniffen, die Dir dabei helfen werden, den vielen Fallstricken in schwierigen Gesprächen zu begegnen.

In der zweiten Edition von Difficult Conversations gibt es außerdem ein sehr lesenswertes 10-Punkte-FAQ, in dem viele Missverständnisse ausgeräumt werden und die häufigsten Fragen von Lesern ausführlich beantwortet werden.

Inhalt

Das Wichtigste gleich vorweg: Difficult Conversations ist kein Zauberkasten, in dem Du das Allheilmittel findest, mit dem Du jedes schwierige Gespräch so lösen wirst, dass das Ergebnis genau Deinen Vorstellungen entspricht. Denn genau darum geht es bei Bewältigung schwieriger Gespräche nicht. Wir können keine Konflikte dadurch lösen, dass wir versuchen, andere Menschen ausschließlich dazu zu bringen, unsere Lösung zu akzeptieren oder einzugestehen, dass nur „sie“ der Grund für das Problem sind. Genau diese Denkweise führt letztlich zum Konflikt: Ich habe es verstanden und alles richtig gemacht, es ist also Dein Fehler!

Schwierige Gespräche und Konfliktsituationen sind nur dadurch zu lösen, dass wir uns von dieser Sichtweise entfernen und versuchen, die Sichtweisen anderer zu verstehen. (Was übrigens nicht gleichbedeutend damit ist, dass wir sie auch akzeptieren!) Um das zu erreichen, müssen wir unser Gesprächsverhalten ändern und das Erlebte in einen neuen, anderen Rahmen setzen.

Statt unsere Sichtweise als „die Wahrheit“ zu deklarieren, müssen wir die verschiedenen Sichtweisen und Interpretation dessen sichtbar machen, was passiert ist. Statt den anderen zu beschuldigen, dass er uns verletzen wollte, müssen wir trennen zwischen Wirkung (auf uns) und Absicht (des anderen). Statt den Schuldigen für eine Misere anzuklaren, müssen wir darüber sprechen, welche Verhaltensweisen von beiden Seiten dazu beigetragen haben, dass der Konflikt entstand. Statt dem anderen schlechte Charaktereigenschaften zuzuschreiben, müssen wir seine Gefühle wertschätzen. (Das geht übrigens ebenfalls, ohne seine Sichtweise der Dinge zu akzeptieren!)

Praxisbezug

Difficult Conversations bietet ein großes Füllhorn an Methoden und Hilfestellungen, die Du dazu nutzen kannst, die Untiefen schwieriger Gespräche besser zu umschiffen. Angefangen beim And Stance über die sogenannte Abstraktionsleiter bis hin zu einer umfangreichen Übersicht zur Vorbereitung schwieriger Gespräche. Difficult Conversations verspricht Dir keine Garantie, dass Du den Konflikt für Dich zufriedenstellend lösen wirst. Aber dieses Buch wird es Dir definitiv leichter machen, Dich in schwierigen Gesprächen zu bewegen.

Preis

Mit knapp 12 Euro ist dieses Buch gemessen an seinem Inhalt ein echtes Schnäppchen!

Fazit

Genauso wie sein Nachfolger Thanks for the Feedback ist Difficult Conversations ein sehr lesenswertes und vor allem hilfreiches Buch für alle, die sich privat oder beruflich häufig in verschiedenen Konfliktsituationen wiederfinden. Deshalb lege ich es vor allem jedem Scrum Master ans Herz!