Es hört sich wie ein Witz an… Kommt ein Mann mit einem Messer zu einer Schießerei… Das war mein erster Gedanke, als Simon Sinek erklärt, dass wir uns im Geschäftsleben (und in der Politik, im Leben etc.) in einem unendlichen Spiel befinden, aber dieses falsch spielen, weil wir nicht verstehen wie es funktioniert. Nur mit dem Unterschied, dass es bei einer Schießerei wohl einen Gewinner gibt und im unendlichen Spiel nicht. Genauso wenig gibt es einen Start, eine Mitte oder eben ein Ende. Wie auch? Wir befinden uns ja schließlich in einem unendlichen Spiel.

Aufmachung und Aufbau

Das Buch besteht aus insgesamt 11 Kapiteln. Das erste Kapitel ist eine Einleitung in das Thema des unendlichen Spiels und was passiert, wenn wir es mit einem endlichen Mindset, einer endlichen Haltung spielen.

Innerhalb der Kapitel arbeitet Simon Sinek zudem mit Überschriften, um die Themen etwas zu differenzieren.

Was sich mir nicht ganz erschlossen hat, ist der Sinn dieses Aufbaus. Denn Kapitel 2, 7, 9, 10 und 11 tragen die Titel dessen, was man nach Simon Sinek als Führungskraft beherzigen muss, wenn man sich entschließt, das unendliche Spiel mit einer unendlichen Haltung zu spielen. Die anderen Kapitel haben zwar auch einen Zusammenhang zu diesen, aber da hätte ich mir eine etwas übersichtlichere Struktur gewünscht.

Da ich das Buch auf englisch gelesen habe und mich daher etwas reinkämpfen musste, ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, wie viele Kernphrasen aus der Einleitung sich im Laufe des Buches wiederholen. Aber gut, dass kennt man ja von Simon Sinek.

Auch über den Umstand, dass es doch ziemlich patriotisch ist, viele Hinweise auf Militär, Polizei etc. und natürlich die altbekannten Beispiele wie Apple, Microsoft und Co. aufweist, habe ich mal hinweg gelesen. Auch das ist nichts Neues bei Simon Sinek und die Beispiele sind auch gut gewählt, um das unendliche Spiel und die dementsprechende Haltung verständlicher zu machen.

Inhalt

Wer sich schon einmal mit den Thesen/Theorien von Simon Sinek beschäftigt hat, der weiß, dass ihm 3 Dinge besonders wichtig sind:

Ein tolles Video dazu von Simon Sinek gibt es übrigens hier.

Und wenn wir daran glauben, dass diese 3 Punkte von Bedeutung sind (und [Achtung Teaser!]: ja, sind sie in der Tat), dann haben wir keine Wahl. Wir müssen lernen, das Spiel in dem wir uns befinden, richtig zu spielen.

Genau das ist es, was wir derzeit oftmals missen lassen. Wir spielen das Spiel, aber wir verstehen es nicht. Laut Simon Sinek befinden wir uns in der Geschäftswelt heute in einem unendlichen Spiel. Unendlich, weil es (wie anfangs bereits erwähnt) keinen Anfang, keine Mitte und kein Ende hat. Und wenn wir immer die Besten sein wollen, Gegner aus dem Spiel nehmen wollen, gewinnen wollen, die Nummer 1 sein wollen und dazu auch noch glauben, dass wir nach gemeinsamen Regeln spielen… Dann haben wir ein großes Problem, denn wir spielen das Spiel falsch.

Denn jetzt kommt eine furchtbare Wahrheit: Es gibt keinen Gewinner in einem unendlichen Spiel. Den gibt es nur in einem endlichen Spiel. Und dieses Spiel spielen wir nun einmal gerade nicht.

Um als Spieler in einem unendlichen Spiel erfolgreich (nicht der Erfolgreichste!) zu sein, muss man ein infinite mindset, eine unendliche Haltung einnehmen. Dies gilt für Unternehmen, für Führungskräfte und ganz allgemein für uns alle.

Was passiert wenn wir dies nicht tun, sondern einfach weiter das unendliche Spiel mit einem finite mindset, einer endlichen Haltung spielen, das zeichnet uns Simon Sinek in diesem Buch ziemlich drastisch nach.

Aber er gibt uns auch Rahmenbedingungen an die Hand, die uns dabei helfen, uns in diesem unendlichen Spiel zurecht zu finden und mit einer entsprechenden Haltung zu agieren. Diese sind speziell an Führungskräfte gerichtet, gelten aber wie bereits erwähnt auch für Unternehmen, Politik etc.:

  • Einem „Just Cause“ folgen (übersetzt mit „gerechte Sache“, aber richtiger ist wohl „Berufung“)

  • Teams schaffen, die sich vertrauen

  • Den „geschätzten Rivalen“ studieren

  • Sich auf existentielle Flexibilität vorbereiten

  • Den Mut zu führen vorleben

Was es genau mit den einzelnen Punkten auf sich hat, vernachlässige ich an dieser Stelle, da ich noch einen entsprechenden Blogbeitrag schreiben werde und es soll ja spannend bleiben. Nur so viel vorab: Auch ein Just Cause, eine Berufung, ist an bestimmte Vorgaben geknüpft, die es erfüllen muss. Und es unterscheidet sich von einer Vision/einem WARUM.

Warum aber tun wir so etwas? Wer spielt schon Schach nach den Regeln von Mensch-ärgere-Dich-nicht? (Ja ich weiß, es sind beides endliche Spiele, aber das Bild ist so schön.)

Warum lassen wir es zu, dass seit ca. 40 Jahren die Führungsstile moderner Standard sind, die einer endlichen Haltung entsprechen? Daran lässt Simon Sinek keinen Zweifel. Weil wir es so gelernt haben. Von Menschen wie Milton Friedman, nach dem die einzige Verantwortung von Unternehmen ist, Geld zu machen. Weil wir uns Unternehmen (!) wie der Börse beugen und Investoren, die strikt nach den Regeln des Pseudo-Kapitalismus handeln. Viele arbeiten für den Reichtum von Wenigen.

Statt uns damit zu beschäftigen, wie wir in einem unendlichen Spiel besser (nicht die Besten!) werden können und das Spiel um des Spiels selbst willen am Laufen halten, konzentrieren wir uns auf kurzfristige Lösungen, Quartalszahlen, die stimmen müssen, egal wie und scheuen jede Disruption, die uns aus dem Gewohnten heraus zerren möchte.

Na? Auch bereit aufzuspringen und nach den Waffen zu greifen? Keine Sorge, das legt sich wieder, denn es gibt auch positive Beispiele. Menschen, die gelernt haben, wie das unendliche Spiel zu spielen ist und wie man dafür sorgt, dass man alle mit auf die Reise nimmt und dafür sorgen, dass sie/man morgens inspiriert aufwacht und sich sicher bei der Arbeit fühlt und erfüllt abends nach Hause geht.

Ich sagte ja, Simon Sinek schreibt recht plakativ. Aber ich denke, manchmal muss man auch überzeichnen dürfen, um bestimmte Dinge bewusst zu machen.

Praxisbezug

Praxisbezogen ist „Das unendliche Spiel“ insofern, als dass es mit wie oben geschildert vielen, vielen Beispielen aus der Praxis berichtet. Sowohl positiven, als auch negativen sei hier angemerkt. Zudem muss ich leider sagen, dass mir viele Dinge, die sich auf ein Verhalten im Sinne einer endlichen Haltung beziehen, aus meiner früheren Anstellung sehr bekannt vorkommen.

Ich glaube, dass man die Denkanstösse aus den Beispielen einer unendlichen Haltung auch durchaus ausprobieren kann. Aber es ist ja nun einmal so, dass man nicht eine Schablone auf alle und jeden anwenden kann.

Preis

Ich habe das englische Buch gelesen und das ist mit um die 15 Euro sehr fair im Preis. Die deutsche Version ist mit 24,99 Euro recht stattlich, zumal man das ein oder andere sicherlich schon kennt, wenn man Simon Sinek folgt. Aber ganz ehrlich, es lohnt sich trotzdem.

Fazit

Wer hier denkt, dass Simon Sinek typisch amerikanisch (sorry) und damit sehr plakativ ist, der irrt nicht. Aber er hat ja Recht. Auch die üblichen Verdächtigen wie Apple und Co. sind einfach gute Beispiele für seine Thesen, also was soll man dazu noch sagen? Ich mag allerdings diese ständigen Vergleiche mit dem Militär nicht. Aber auch das ist irgendwie (Achtung Vorurteil) ziemlich amerikanisch.

Was ich insgesamt sehr erfrischend empfand, war, dass Simon Sinek nie den Zeigefinger erhebt. Im Gegenteil. Er schreibt, dass wir Fehler begehen werden. Wichtig ist es nur, zu der richtigen Haltung für das unendliche Spiel zurückzufinden, in dem wir uns bewegen.

Und noch eine Anmerkung zu meiner Übersetzung von „Just Cause“. Mein Vater ist zufällig Brite und war auch lange im Raum des Business English unterwegs. Ich fragte ihn nach einer anderen möglichen Übersetzung, weil mir „gerechte Sache“ in dem Kontext nicht weit genug ging. Und ja, „gerechte Sache“ ist die korrekte Übersetzung, aber man kann auch „Berufung“ darunter verstehen.