Immer wieder sind wir in unserem Alltag und im Beruf mit Problemen konfrontiert, die wir trotz größter Anstrengung nicht lösen können. Wir zermartern uns das Hirn und geben dann irgendwann genervt auf. Und wenn wir uns dann vollkommen anderen Dingen zuwenden, haben wir plötzlich das Aha-Erlebnis und die Lösung springt uns förmlich an!

Aber woran liegt das? Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir solche Aha-Erlebnisse haben? Denkt es vielleicht ohne uns weiter und sagt uns Bescheid, wenn es die Lösung hat? Wie sehen die Prozesse im Gehirn aus, wenn wir Einsichten haben? John Kounios und Mark Beeman gewähren dem Leser mit ihrem neuen Buch Das Aha-Erlebnis spannende Einblicke in ihre Forschung.

For privacy reasons YouTube needs your permission to be loaded. For more details, please see our Datenschutzerklärung.
I Accept

Aufmachung und Aufbau

Der Aufbau des Buches Das Aha-Erlebnis gliedert sich in insgesamt 14 Kapitel, die im Großen und Ganzen den zeitlichen Verlauf von John Kounios‘ und Mark Beemans Studien widerspiegeln. Die einzelnen Kapitel sind zwischen 10 und 30 Seiten lang, längere Kapitel wurden noch einmal durch Unterkapitel unterteilt. Komplexere Themen werden dort, wo es notwendig ist, durch gut gelungene (schwarz-weiße) Schaubilder und Grafiken erläutert.

Negativ fällt allerdings auf, dass viele interessante Aspekte unnötigerweise in Fußnoten ausgegliedert wurden. Diese Zusatzinformationen sind außerdem sehr weitschweifig und ausladend, sodass die Anmerkungen insgesamt fast 40 Seiten umfassen. (Und das bei einer sehr kleinen Schriftgröße!)

Inhalt

Den beiden Psychologen gelingt es, den Leser auf eine spannende Reise in das menschliche Gehirn mitzunehmen. Durch eine Vielzahl von alltäglichen Beispielen zeigen John Kounios und Mark Beeman auf, wie uns Aha-Erlebnisse im Alltag begegnen und mit welchen Experimenten sie daraufhin versuchten, den neurologischen Vorgängen im Gehirn auf die Spur zu kommen. Dabei gelingt es ihnen zu zeigen, dass Aha-Erlebnisse (also „Einsichten“) etwas ganz anderes sind als analytisches Denken. Jedoch begehen sie nicht den Fehler, Einsichten als etwas darzustellen, dass dem analytischen Denken überlegen ist. Vielmehr stellen sie wiederholt fest, dass sowohl analytisches als auch einsichtiges Denken wichtig sind, um komplexe Probleme zu lösen. Gelegentlich geraten die Experimente und Erkenntnisse der Autoren allerdings auch zu einer „neurologischen Bestätigungswissenschaft“. An diesen Stellen wird uns das, was wir ohnehin schon lange wussten, noch einmal neurobiologisch aufbereitet.

Ansonsten stellen Kounios und Beeman dem Leser viele Denk- und Mitmachaufgaben, die zu lösen sind, und die sich um das Kernproblem des jeweiligen Kapitels drehen. Im letzten Abschnitt des Buches werden die Ergebnisse noch einmal komprimiert zusammengefasst und mit einer Vielzahl von Tipps und Hinweisen versehen, die man nutzen kann, um Aha-Erlebnisse und divergentes Denken zu fördern.

Praxisbezug

Wenn Du Dir wünscht, selbst mehr Einsichten zu haben, hält Das Aha-Erlebnis jede Menge Tipps bereit, die Du im Selbstversuch ausprobieren kannst. Allerdings wird es Dir nicht erspart bleiben, dazu akribisch Buch zu führen, um herauszufinden, welche dieser Tipps für Dich persönlich gut funktionieren und welche nicht. Die beiden Psychologen Kounios und Beeman haben nämlich vor allem eines erkannt: Einsichten sind etwas sehr Individuelles.

Preis

Der Preis für ein Hardcoverbuch geht mit gut 20 Euro vollkommen in Ordnung, auch wenn Das Aha-Erlebnis damit nicht außerordentlich günstig ist.

Fazit

Wer Hilfestellung für den Start in kreative Gefilde benötigt und dabei Wert auf neurobiologische Erkenntnisse legt, sollte sich das Buch kaufen.