Brauchen wir eigentlich so etwas wie ein Naturtalent, um in einem Gebiet Höchstleistung zu erreichen? K. Anders Ericsson belegt in seinem Buch Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen eindrucksvoll, wie falsch dieser Irrglaube in Wahrheit ist. In seiner jahrzehntelangen Forschung hat er nicht eine einzige Expertin oder Experten entdecken können, die oder der aufgrund seines Talents dazu wurde. Aber jede(r) von ihnen wurde Experte, weil er oder sie bewusstes Lernen dazu nutzte, um immer besser zu werden.

Aufmachung und Aufbau

Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen gliedert sich in insgesamt 9 Kapitel, deren Umfang zwischen 30 und 45 Seiten schwankt. Die Kapitel selbst sind noch einmal thematisch untergliedert, allerdings nicht im Inhaltsverzeichnis aufgeführt. Abbildungen oder ähnliches finden sich nicht, sind aber auch nicht notwendig. Insgesamt ist der Aufbau von Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen logisch konsequent und Ericsson gelingt es durchweg, seine Thesen und Ansichten mit einer Vielzahl von Beispielen und/oder auch Studien zu belegen.

Inhalt

Mit Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen belegt Ericcson im Grunde für jedes Gebiet menschlichen Wissens oder Könnens, dass Talent nicht der ausschlaggebende Faktor für die Erreichung von Höchstleistung ist. Zwar gäbe es viele Menschen, die eine Sache relativ leicht erlernen und dadurch anfangs schneller sind als andere. Aber dieser Vorteil verflüchtigt sich immer mehr, je tiefer Menschen in ein Wissensgebiet vordringen. In diesen höchsten Bereichen der Meisterschaft – egal auf welchem Gebiet – ist Talent vollkommen zweitrangig. (Falls es so etwas überhaupt gibt.)

Was zählt, um Meisterschaft zu erreichen, ist bewusstes Lernen: Damit meint Ericsson, dass wir für Höchstleistung vor allem zuerst unsere eigene Komfortzone verlassen müssen (1) und fokussiert (2) unsere klar gesetzten Ziele (3) verfolgen müssen, für die wir einen exakten Plan (4) entworfen haben. Außerdem müssen wir möglichst genau wissen, wie wir uns verbessern können, brauchen also gute Methoden (5), die uns bei der Erreichung unserer Ziele unterstützen.

K. Anders Ericsson gliedert sich mit seinen Aussagen also ziemlich nahtlos an das, was auch Angela Duckworth (Grit) oder Carol Dweck (Growth Mindset) oder Olaf-Axel Burow (Team Flow) in ihren Forschungen belegt haben: Talent ist überbewertet. Was zählt ist Durchhaltevermögen, ein guter Umgang mit Fehlern und ein Growth Mindset. Ericssons Aspekte für bewusstes Lernen sind den Bedingungen für das Flow-Erlebnis nach Mihaly Csikszenmihalyi überraschend ähnlich.

Praxisbezug

Der Praxisbezug von Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen beschränkt sich im Grunde auf die bereits oben genannten Aspekte und ist nicht sonderlich hoch. Wer bereits Bücher von Angela Duckworth oder Carol Dweck gelesen hat, dem wird in Ericssons Buch über das bewusste Lernen nicht sonderlich viel Neues begegnen. Wer aber sein Grundlagenwissen noch ein wenig vertiefen möchte und auch noch ein paar eingängige Beispiele für die Diskussion mit „Talent-Anhängern“ benötigt, wird hier sicherlich fündig werden.

Preis

Mit knapp 20 € ist der Preis für ein Hardcover-Buch vollkommen in Ordnung.

Fazit

Top – Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen ist alles in allem ein lesenswertes Buch, das meiner Meinung nach besonders für Einsteiger in das Thema Lernen interessant ist. Wer sich bereits tiefergehend mit den Themen Höchstleistung, Talent oder Flow beschäftigt hat, wird wenig Neues entdecken können.