Nachdem wir uns in den letzten Blogartikeln in erster Linie mit den Climatic Patterns einer Wardley Map beschäftigt haben, geht es heute darum, einen Ansatz zu finden, mit diesen Informationen Organisationsstrukturen zu beurteilen. Wardley definiert dazu drei verschiedene Arten von Teams: Pioniere, Siedler und Städteplaner.

Diese drei Team-Arten leben eine unterschiedliche Kultur und bevorzugen bestimmte Arbeitsweisen, die nicht unbedingt kompatibel mit den jeweils anderen Teamkulturen sind. (Was nach Wardley jedoch auch gar nicht erstrebenswert ist, denn je nach Evolutionsstufe benötigen wir genau eine dieser drei Teamkulturen, während die anderen eher hinderlich sind.)

Pioniere

Pioniere sind – anders als Siedler oder Städteplaner – in der Lage, unentdecktes Land zu erobern und zu erforschen. Sie experimentieren viel und aufgrund der größeren Unsicherheit und Komplexität ihrer Umgebung (Genesis & Custom Built) erliegen sie häufig Irrtümern, aus denen sie dazulernen. Ihre Entdeckungen sind oft halbgar und für die Praxis kaum tauglich. Trotzdem sind sie die Wegbereiter für die Produkte von Morgen. Pioniere nutzen für ihre Arbeit agile Strategien, da diese am besten für ihre Arbeit passen. Ihre Experimente und Ideen beruhen häufig auf einem Bauchgefühl. (Oder auch dem festen Glauben daran, dass ihre Idee funktioniert.)

Siedler

Siedler sind die Mittelsmänner zwischen Pionieren und Städteplanern. Sie sind in der Lage, die halbgaren Experimente von Pionieren in etwas zu transformieren, das Nutzen für eine größere Zielgruppe stiftet. Ihr Fokus liegt auf der permanenten Verbesserung einer Komponente. Damit erhöhen sie das Verständnis von Elementen unserer Wardley Map und verwandeln Prototypen in Produkte. Sie pflegen engen Kontakt zu Kunden, um durch deren Feedback, Verbesserungen zu erzielen.

Städteplaner

Städteplaner hingegen können existierende Produkte industrialisieren bzw. kommerzialisieren und sind ausgezeichnete Prozessoptimierer, weshalb ihre Arbeit auch stark durch Metriken getrieben ist. Sie finden Wege, Produkte schneller, besser, kleiner, effizienter und wirtschaftlicher herzustellen. Somit erschaffen Städteplaner diejenigen Strukturen, auf denen Pioniere mit neuen Innovationen aufbauen können, da die Arbeit der Städteplaner dazu führt, dass sich die Komponente in die Evolutionsstufe Commodity bewegt.

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Bilde Teams entsprechend der Evolutionsstufe Deiner Komponente

Simon Wardley überträgt mit seiner Idee von Pionieren, Siedlern und Städteplanern seinen Ansatz, Komponenten je nach Evolutionsstufe anders zu behandeln, auf unterschiedliche Teamkulturen. Mit einer Wardley Map lassen sich also unterschiedliche Komponenten-Zellen (oder Segmente) identifizieren, die sich verschiedenen Teams zuordnen lassen. Je nachdem in welcher Phase sich diese Komponenten befinden, benötigt es andere Arbeitsweisen und eben auch eine andere Teamkultur.

Pioniere, Siedler & Städteplaner

Das Pioniere-Siedler-Städteplaner-Modell hilft Dir dabei, zu verstehen, dass es notwendig ist, die Arbeitsweise an einer Komponente (oder einem Segment von Komponenten) mit dem Eintritt in eine neue Evolutionsstufe zu verändern oder sogar auch an ein anderes Team zu übergeben. Siedler übernehmen Komponenten von Pionieren und Städteplaner übernehmen Komponenten von Siedlern, wenn die Zeit dafür reif ist.

Mit einer Wardley Map, deren Komponenten in der jeweiligen Evolutionsstufe verortet sind, bist Du nun in der Lage, zu erkennen, ob diese Komponenten „den richtigen“ Teams zugeordnet sind. Du entdeckst außerdem Lücken in Deiner Organisation, wenn Du feststellst, dass Du zwar jede Menge Pioniere hast, aber keine Städteplaner. Vielleicht fehlt Deiner Organisation auch ein Siedler-Team, das in der Lage ist, die Verbindung zwischen Pionieren und Städteplanern herzustellen.

Unterschiede und Parallelen zu anderen Modellen

Das Pioniere-Siedler-Städteplaner-Modell von Wardley weist einige Parallelen, aber auch Unterschiede zu anderen Ansätzen und Modellen auf, auf die ich hier noch kurz eingehen möchte. (Gerade hinsichtlich der Blue Ocean Strategy finde ich das besonders wichtig.)

Exploration-Exploitation (z. B. Alex Osterwalder)

Üblicherweise findet lediglich eine Zweiteilung zwischen Innovation (Exploration) auf der einen Seite und Ausbeutung vorhandener Produkte oder Services (Exploitation) auf der anderen Seite statt. Ein Ansatz, den auch Alex Osterwalder und seine Co-Autoren im aktuellen Buch The Invincible Company bedienen. Wardleys Ansatz, durch Siedler eine Art Transformationsteam zwischen Exploration und Exploitation zu etablieren, könnte vielen Organisationen helfen, eine systemische Lücke zu schließen, denn ein Team von Siedlern sorgt dafür, dass Innovationen den Übergang zum rentablen Produkt besser vollziehen können.

3-Horizonte-Modell

Organisationen, die bereits mit dem Denkansatz des 3-Horizonte-Modells vertraut sind, können leicht erkennen, dass Wardleys Ansatz damit kompatibel ist. Pioniere arbeiten an Themen, die sich auf Horizont 3 befinden, Siedler an Komponenten aus Horizont 2 und Städteplaner beschäftigen sich ausschließlich mit Horizont 1. (Wir erinnern uns: No single method fits all!)

Blue Ocean Strategy

Zur Innovations-Methode Blue Ocean Strategy von Chan Kim und Renée Mauborgne sind ebenfalls Parallelen zu entdecken. Allerdings musst Du hier aufpassen, da die Bezeichnungen teilweise gleich, ihre Bedeutungen aber unterschiedlich sind. Kim und Mauborgne nutzen für die Blue Ocean Strategy eine sogenannte pioneer-migrator-settler map (PSM). Im Großen und Ganzen ist diese PSM-Karte nichts anderes als eine Variante des 3-Horizonte-Modells und visualisiert den Zustand einzelner Produkte aus einem Portfolio.

Hier musst Du aufpassen! Die Settler (also Siedler) aus der Blue Ocean Strategy bezeichnet Simon Wardley in seinem Modell als Städteplaner, während das, was Wardley als Siedler bezeichnet, im Blue-Ocean-Strategy-Modell umgekehrt als Migrator definiert ist. (Abgesehen davon, dass Simon Wardley sich auf Menschen bezieht und Kim und Mauborgne auf Produkte.)

Soweit für heute. Ich hoffe, die Pioniere-Siedler-Städteplaner-Methode von Wardley hilft Euch dabei, Eure Produkt- und Organisationsstrukturen besser zu verstehen. Wie immer freuen wir uns über Feedback und Ergänzungen zum Artikel unten in den Kommentaren!

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Raus aus der Commodity-Falle!

Im nächsten Blogartikel zeige ich Dir noch weitere Überschneidungspunkte zwischen der Blue Ocean Strategy und Wardley Maps auf und wie Dir bestimmte Methoden wie etwa das ERRC-Grid dabei helfen können, der Commodity-Falle zu entkommen!

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