Wie wir bereits in einem unserer Blogartikel zur Unternehmenskultur aufgeführt haben, ist eben diese kein Kleidungsstück, das man sich überwerfen oder auch ablegen kann. Das Gleiche gilt für das vollmundig gelobte Mindset. Möchte ein Unternehmen oder auch eine Person sein/ihr Mindset ändern, passiert das nicht von Heute auf Morgen. Sein Mindset ändern zu wollen bedarf harter Arbeit, einen guten Umgang mit Fehlschlägen und vor allem den wahren Willen, es zu ändern.

Dies ist der zweite Teil des Beitrags zum Infinite Game von Simon Sinek. Im ersten Teil ging es vorrangig um das Just Cause (die Berufung), sowie um den Unterschied zwischen einem Just Cause und einer Vision.

Heute gehen wir noch einen Schritt weiter und betrachten einfach einmal den IST-Zustand und welche Möglichkeiten es uns bietet, wenn wir unser Mindset ändern. Vorab lasst mich noch kurz sagen, dass es nicht darum geht, keinen Gewinn mehr zu erzielen! Es ist ein Irrglaube, dass es nur darum geht, Spaß bei der Arbeit zu haben und dabei die Zahlen völlig außer Acht zu lassen. Vielfach wird dieser Irrglaube ja auch über New Work im Allgemeinen verbreitet. Aber es gibt auch einen Weg, der Raum für beides lässt: sinnhaftes, glückliches Arbeiten und Geld verdienen.

Wie sieht es denn jetzt gerade aus?

Ich möchte hier nichts verallgemeinern, aber seien wir doch einmal ehrlich mit dem, wie es in den meisten Unternehmen heutzutage aussieht. Es geht hauptsächlich darum, Geld zu erwirtschaften und Quartalszahlen zu erreichen, um die Anleger zufriedenzustellen. Die Zahlen und Quoten müssen stimmen und zwar egal wie. Ein Mitarbeiter erreicht die Kennzahlen nicht? Dann machen wir doch noch ein wenig Druck. Die anderen schaffen es ja auch. Auf Veränderungen im Markt oder auf schlechte Zahlen wird zumeist reagiert und zwar mit dem, was viele den Feuerlöscher nennen. Eine nachvollziehbare, kurzfristige Lösung für ein gerade anstehendes Problem. Stellt Euch zum Beispiel ein Produkt vor, das nicht mehr den erwarteten Gewinn einbringt. Was wird gemacht? Richtig, es wird an den Bauteilen gespart. Wozu auch exzellente Qualität bieten, wenn wir Kosten mit minderwertigen Produkten einsparen können.

Wozu sein Mindset ändern, wenn man den langsamen Mitarbeiter auch einfach ersetzen kann?

Das bedeutet

Ihr seht also: Alles ist auf Kurzfristigkeit ausgelegt und darauf zu reagieren, statt zu agieren. Und machen wir uns nichts vor, Brände löschen ist anstrengend und macht keinen Spaß. Es führt dazu, dass wir spontane Ereignisse, Zufälle und Veränderungen nicht mehr nur nicht willkommen heißen. Sondern wir beginnen, Angst vor ihnen zu entwickeln. Denn diese reaktive Art zu handeln bedeutet auch, dass wir jederzeit ersetzbar sind, wenn wir unsere Zahlen nicht liefern oder unser Unternehmen in Schieflage gerät. Und was passiert, wenn wir Angst haben? Das haben wir in diesem Blogbeitrag einmal für Euch beschrieben.

Dinge, die zudem nicht messbar sind und sich nicht sofort auf die Zahlen auswirken, haben zumindest eine sehr niedrige Priorität. Kein Wunder also, dass sein Mindset zu ändern oder gar eine neue Unternehmenskultur sich entwickeln zu lassen nicht gerade ganz oben auf den Agenden der Chefetagen steht.

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Wir befinden uns auf einem Slippery Slope

Simon Sinek beschreibt es sehr schön damit, dass wir uns auf einem Slippery Slope, einem rutschigen Hang, befinden. Dieser Begriff beschreibt den Moment, an dem es nahezu unmöglich scheint, das Abrutschen auf dem Hang zu vermeiden.

Im Buch verknüpft er diesen Moment mit dem, was er als ethical Fading beschreibt. Wenn wir also verstehen, dass wir jederzeit ersetzbar sind und wir keine Sicherheit, kein Vertrauen mehr empfinden, ist es eine logische Konsequenz, dass wir unethisch handeln. Nachvollziehbar, aber natürlich nicht entschuldigend. Bevor wir selber unsere Arbeit oder unsere Position in Gefahr bringen, verbergen wir lieber unsere Fehler und lassen doch lieber andere über die Klinge springen.

Was noch geschieht, ist, dass im Unternehmen eine unnötige Angst vor Disruption entsteht. Bevor wir auch nur auf die Idee kommen unser Mindset ändern zu wollen, um das große Ganze auch sehen zu können, halten wir lieber verzweifelt an unseren bestehenden Wertschöpfungsketten fest. Ungeachtet neuer Umstände und Innovationen. (Was es damit auf sich hat, könnt Ihr in unserer Blogserie über Wardley Maps lesen.)

Wir beugen uns dem Druck der Wenigen, die für uns bestimmen, wie die Wirtschaft heute zu funktionieren hat. Wir spielen das infinite game mit einem finite mindset. Und dieses Mindset gilt es zu ändern.

Wie können wir unser Mindset ändern?

Zunächst einmal sollten wir die Entscheidung treffen, unser Mindset ändern zu wollen. Und diese Entscheidung sollte ehrlich gemeint sein. Ohne Ehrlichkeit und Transparenz ziehen wir uns nur wieder ein gerade passendes Kleidungsstück über. Es ist zudem unabdingbar, dass wir lernen, mit unseren Fehlern oder Irrtümern und auch mit den Fehlern/Irrtümern anderer konstruktiv umzugehen. (Näheres zu einer konstruktiven Fehler-, bzw. Irrtumskultur findet Ihr in diesem Blogbeitrag). Nur so schaffen wir ein Klima des Vertrauens, welches das beste Mittel gegen einen Zustand des ethical Fading ist und gleichzeitig auch noch dafür sorgt, dass Mitarbeitende mehr Motivation erleben und bereit sind, mehr zu leisten.

Machen wir uns nichts vor, wir sind nicht perfekt. Wir werden auf diesem Weg viele Fehler begehen und Rückschritte erfahren. Ich habe letztens einen schönen Tweet gelesen (ich weiß leider nicht mehr von wem), in dem es hieß:

Ein Experte ist jemand, der bereits viele Gelegenheiten hatte Fehler zu begehen.

Wir sollten bereit sein, die völlige Disruption/Destruktion in Kauf zu nehmen und diese vor allem auch zu begrüßen. Ja, lieb gewonnene Gewohnheiten sind schön, aber man muss diese auch situativ anpassen können.

Last but not least sollten wir geduldig sein. Weder die Unternehmenskultur, noch sein Mindset zu ändern funktioniert über Nacht. Wir müssen immer wieder kommunizieren und in den Dialog treten. Einen tollen Blogbeitrag zum Thema Change-Kommunikation habe ich gerade bei Anne Lamberts gelesen. Schaut gerne mal rein, es lohnt sich.