Expertenquiz

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Expertenquiz

Menschen, die sich in einer Thematik gut auskennen, tendieren dazu, zu glauben, dass das bei allen anderen ebenfalls so ist. Häufig kommt es zu Unverständnis, wenn klar wird, dass Kunden oder Gesprächspartner ein gewisses Wissen nicht haben und Konflikte sind die Folge.

Dabei liegt der Ursprung für diese Konflikte nicht beim Laien, sondern beim Experten. Dieses Phänomen, das sich auch Wissensüberschätzung nennt, lässt sich über die Übung Expertenquiz sehr gut verdeutlichen.

Beschreibung

Beim Expertenquiz stellst Du Deinen Teilnehmern eine Reihe von Quizfragen, ähnlich wie beim Brettspiel Trivial Pursuit. Allerdings sollen Deine Teilnehmer nicht nur die ihrer Meinung nach richtige Antwort ankreuzen, sondern ebenfalls zwei Informationen bzw. Einschätzungen angeben. Erstens sollen sie angeben, ob sie die Antwort tatsächlich gewusst oder diese nur geraten haben. (Hierzu kreuzen Deine Teilnehmer einfach das passende Kästchen im Expertenquiz an.) Zweitens sollen Deine Teilnehmer für jede Frage eine Schätzung angeben: Wie hoch ist Deiner Meinung nach die Prozentzahl der Menschen (in Deutschland), die diese Frage richtig beantworten können?

Diese Einschätzung sollen die Teilnehmer natürlich auch dann vornehmen, wenn sie die Antwort selbst nur geraten haben!

Nachdem alle Teilnehmer das Expertenquiz durchlaufen haben, gehst Du mit ihnen den Fragebogen durch und teilst zu jeder Frage die richtige Antwort mit. (Natürlich kann auch ein Teilnehmer, der sich ganz sicher ist, die Antwort nennen.) Tatsächlich geht es jedoch gar nicht um die Auswertung und ob die Teilnehmer richtig oder falsch lagen, sondern darum, welche Schätzung sie abgaben.

Dazu bereitest Du eine einfache Tabelle auf einem Flipchart vor (gewusst | geraten) und erfragst genau diese Information von jedem Teilnehmer zu jeder Frage. Die geschätzte Prozentzahl notierst Du dann in der dazugehörigen Spalte. (Die Summe der Zahlen, die in den beiden Zellen einer Zeile stehen, muss immer gleich der Teilnehmeranzahl sein; ansonsten hast Du jemanden vergessen oder einen Fehler gemacht!)

Nachdem Du jede Information abgefragt hast, summierst Du zunächst pro Spalte alle Prozentzahlen und schreibst diese unten in die jeweilige Spalte. Daran anschließend zählst Du, wie viele Nennungen jeweils in einer Spalte sind und kommst so auf die Summe der Nennungen. Mit Hilfe dieser beiden Zahlen kannst Du einen durchschnittlichen Prozentwert pro Spalte errechnen.

Beispiel

Die erste Frage beim Expertenquiz lautet: Von wem stammen die Worte „Ich denke, also bin ich“? (Richtige Antwort ist: René Descartes.) Du fragst nun die erste Teilnehmerin: „Hast Du die Antwort gewusst oder geraten?“ und die Teilnehmerin antwortet: „Gewusst.“ Dann fragst Du außerdem: „Wie viele Menschen (in Deutschland) kennen Deiner Meinung nach die Antwort ebenfalls?“ Und die Teilnehmerin nennt ihre geschätzte Prozentzahl: „65 Prozent.“ Dann fragst Du den nächsten Teilnehmer, der sagt: „Ich habe die Antwort geraten und ich glaube, dass nur 20 Prozent aller Deutschen die Antwort tatsächlich kennen.“

Nachdem Du die ersten drei Fragen durchgegangen bist, kommst Du für die Spalte „gewusst“ auf eine Summe von 688 und in der rechten Spalte für „geraten“ auf eine Summe von 487. In der linken Spalte befinden sich insgesamt 11 Nennungen, in der rechten hingegen sogar 19. (Da Du 10 Teilnehmer und 3 Fragen hast, passt die Summe von 30.) Nun kannst Du für beide Spalten einen durchschnittlichen Prozentwert ausrechnen. (gewusst: 62,5 % | geraten: 25,6 %)

So sähe das Ergebnis dann aus:

Fragegewusstgeraten
Von wem stammen die Worte „Ich denke, also bin ich“?65,75,28,30,35,8020,15,12,28
Wann wurde der Atomwaffensperrvertrag unterschrieben?505, 10, 7, 15, 40,15,70,10,5
Von wem stammt das Gravitationsgesetz?90,85,75,7530,35,60,35,25,50
Gesamtsumme688487
Nennungen (Abgegebene Stimmen)1119
Durchschnittswerte62,5 %25,6 %

Effekt

Der Effekt der Übung Expertenquiz ist jedes Mal der gleiche: Menschen, die die Antwort auf die Frage kennen, sind viel eher dazu geneigt, zu glauben, dass sehr viele andere Menschen die Antwort auf diese Frage ebenfalls wüssten. Sind wir uns hingegen selbst unsicher, denken wir, dass andere Menschen die Antwort auch nicht wüssten. Abzulesen ist dieser Effekt daran, dass der durchschnittliche Prozentwert in der Spalte „gewusst“ immer deutlich höher sein wird, als der Prozentwert in der Spalte „geraten“.

Tatsächlich habe ich diese Übungen schon sehr oft durchgeführt und kein einziges Mal lag der Durchschnittswert für „geraten“ über dem Wert für „gewusst“. Damit ist das Expertenquiz für jeden Teilnehmer ein echter Augenöffner und ein guter Startpunkt für eine anschließende Diskussion.

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Über den Autoren:

Ich glaube an eine Arbeitswelt, in der Menschen darauf brennen, am Montag endlich wieder zur Arbeit gehen zu dürfen. Deshalb helfe ich Menschen, Unternehmen und Organisationen, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sich Motivation und Engagement entfalten können.

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