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In komplexen Systemen und Umgebungen, die sich beständig verändern, setzt das agile Rahmenwerk Scrum auf langlebige Teams. In einem meiner letzten Artikel habe ich bereits darüber geschrieben, dass agile Teams möglichst klein sollen. Heute geht es um die Frage, warum sie möglichst langlebig sein sollten. Und was es mit dem Begriff transaktives Gedächtnis auf sich hat.

Interessanterweise haben wir Menschen eine Technik entwickelt, die uns hilft, mit einer großen Flut an Informationen aus unterschiedlichen Wissensgebieten klarzukommen:

Wir nutzen andere Personen aus unserem Umfeld als lebenden Speicher.

Die Psychologie nennt das auch transaktives Gedächtnis. Je länger ein Team also kollaborativ arbeitet, desto genauer hat jeder einzelne Kenntnis über die Fähigkeiten und das Wissen der anderen. Sobald nun neue Informationen auftauchen, weiß die Gruppe intuitiv, wer dafür verantwortlich ist, diese neue Information zu speichern.

Was ist ein transaktives Gedächtnis?

1991 machte der Psychologe Daniel Wegner ein Experiment mit 59 Paaren, die sich mindestens drei Monate kannten und häufig trafen (mindestens sechsmal die Woche). Diese Paare teilte er in zwei Gruppen. In der ersten Gruppe führte jeder Teilnehmer das Experiment mit dem ihm bekannten Partner durch. In der zweiten Gruppe wurden die Paare neu gemischt. Dadurch durchlief jeder Teilnehmer das Experiment beim zweiten Mal mit einem ihm unbekannten Partner.

Die simple Aufgabe der Studie bestand darin, sich in Sätzen unterstrichene Wörter zu merken, die aus unterschiedlichen Gebieten kamen. (Also beispielsweise Haushalt, Sport, Politik etc.) Die Erkenntnis dieses Experiments war, dass diejenigen Paare, die sich gut kannten, sehr genau einschätzen konnten, welche Wörter sich der andere merken würde, weil sie deren Interessengebiete kannten.

War in einem Satz beispielsweise ein Begriff aus dem Sport unterstrichen und eine Testperson wusste, dass Sport ein Interessensgebiet des Partners war, hat sie sich diesen Begriff nicht gemerkt. Weil sie intuitiv wusste, dass sich ihr Partner diesen Begriff auf jeden Fall merken würde.

Mit diesem Vorteil erzielten diejenigen Paare, die sich gut kannten, deutlich bessere Ergebnisse als diejenigen Paare, die zufällig zusammengestellt waren. Denn bei den letzteren Paaren wusste keiner, was die Vorlieben des jeweils anderen waren.

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Die Vorteile von langlebigen Teams

Scrum Teams haben also nicht nur den Vorteil, dass sie komplexe Problemstellungen mit einer großen Vielfalt an Perspektiven angehen können. Sie sind in der Lage, große Informationsmengen auf mehrere Köpfe zu verteilen und sie im passenden Moment anzuzapfen. Dieser Vorteil entsteht jedoch nur dann, wenn die Teammitglieder sich gut genug kennen. Jeder weiß, was der andere kann (und was nicht).

Um ein transaktives Gedächtnis zu entwickeln, müssen Teams langlebig sein.

Würfeln wir Teams beständig durcheinander, weil wir der Meinung sind, dass irgendwo gerade eine gewisse Expertise benötigt wird, kennen sich die Teammitglieder nicht gut genug, um ein transaktives Gedächtnis zu entwickeln.

Die Vorteile von langlebigen Teams, die ein transaktives Gedächtnis entwickelt haben, liegen auf der Hand. Jeder einzelne im Team hat Zugriff auf Wissen und Fähigkeiten, die er selbst nicht abzuspeichern braucht. Aufgrund der hohen Komplexität eines Themas wäre er ohnehin gar nicht dazu in der Lage. Darüber hinaus bietet ein transaktives Gedächtnis sozusagen Wissen, das erst durch die Verbindung der einzelnen Teammitglieder entsteht.

Gefahren für langlebige Teams

Die Spezialisierung einzelner Teammitglieder auf bestimmte Wissensgebiete darf natürlich nicht dazu führen, dass gleichzeitig auch die komplette Verantwortung für alle Themen aus diesem Bereich auf ein einzelnes Teammitglied abgewälzt werden. Nur weil ein Teammitglied einen speziellen Bereich hat, für den es sozusagen als Wissensspeicher dient, darf nicht der Fall eintreten, dass alle anderen Teammitglieder meinen, sie müssten sich überhaupt nicht mehr darum kümmern.

T-Shaped Skills in langlebigen Teams

Auch langlebige Teams müssen deshalb darauf achten, Wissen so gut es geht zu verteilen. Die meisten Scrum Teams favorisieren daher die Idee der sogenannten T-Shaped Skills. Das bedeutet, dass es zwar Spezialisten zu einem Wissens- oder Kompetenzbereich gibt, sich aber jeder Spezialist gleichzeitig so breit wie möglich in anderen Bereichen aufstellt.