Keine Zeit zu lesen? Meine 8 Tipps für mehr Lesezeit

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Keine Zeit zu lesen? Meine 8 Tipps für mehr Lesezeit

Kürzlich wurde ich gefragt, wann ich denn das alles lesen würde. Sie selbst hätte „gar keine Zeit zu lesen“. Ehrlich gesagt hatte ich darauf nicht einmal direkt eine Antwort, da es mir schon so sehr in Fleisch und Blut übergegangen ist, zu lesen, zu lernen und all die Dinge zu treiben, die ich so tue. Also hab ich mich einmal hingesetzt und mir Gedanken darüber gemacht, was meine Gewohnheiten sind und auch mit ein paar Menschen gesprochen, die mich gut kennen. Herausgekommen ist eine kleine Liste mit Tipps, die Du ja mal ausprobieren kannst, falls Du es nie schaffst, Bücher zu lesen. Vorab sei gesagt, dass Du, wenn Du wirklich den Wunsch hast, mehr zu lesen oder zu lernen, Dir die Zeit dafür nehmen musst. Wie eigentlich bei allen Dingen.

Jeder von uns hat 24 Stunden am Tag – die Frage ist nur, wie wir sie einsetzen möchten.

Das ist mit Sicherheit die wichtigste Botschaft, die ich für Dich habe. Wenn Du Dir etwas vornimmst (eine Sprache lernen, ein Buch lesen, einen eigenen Blog starten etc.) und darauf wartest, dass Du dafür irgendwann einmal Zeit hast, wirst Du niemals damit beginnen. Der Alltag wird immer wieder zuschlagen mit all seinen Verpflichtungen und Ablenkungen. Allerdings gibt es trotz aller Ablenkung sehr viele Zeitfenster und Zeiträume, die wir damit vertrödeln, sinnlose Dinge zu tun.

Ein erster wichtiger Schritt für Dich ist es deshalb, Dich selbst zu beobachten, wie Du Deinen Tag, Deine Woche bzw. Dein Leben strukturierst. (Vielleicht stellst Du sogar fest, dass Du Deinen Tag gar nicht strukturierst.) Aber nur wenn Du Dich beobachtest, kannst Du Zeitfenster identifizieren. Neben allen Verpflichtungen, Abhängigkeiten und festen Terminen, die Du nicht oder nur wenig beeinflussen kannst, gibt es meiner Erfahrung nach sehr, sehr viele Zeitabschnitte, in denen wir Zeit vertrödeln. Für Dich kann es also ein guter Start sein, diese Zeitfenster zu identifizieren und dort mit den Aktivitäten zu beginnen, die Du gerne tun möchtest.

Mein Tipps sind übrigens nur Vorschläge, wie Du es machen kannst. Es ist keine vollständige Liste und auch kein Programm, das zu jedem Menschen passt. Was für Dich gut funktioniert, musst Du selbst herausfinden. Probier einfach etwas aus. Und wenn etwas für Dich nicht funktioniert, pass es an Deine Bedürfnisse an oder probier etwas vollkommen anderes aus. Wichtig ist, dass Du nicht gleich komplett Dein Leben umwirfst, sondern mit den ersten kleinen Schritten beginnst, und Dich nach und nach weiterentwickelst.

Nun aber zu meinen Tipps.

Tipp 1: Habe immer (wirklich immer) ein Buch dabei (easy)

Diesen Tipp nenne ich auch die Rory-Gilmore-Technik: Ich habe entdeckt, dass es für mich anfangs sehr schwierig war, mir feste Zeiträume für das Lesen, Lernen und Bloggen freizuhalten. Da ich Vater eines siebenjährigen Sohnes bin, fehlt in den Nachmittags- und Abendstunden auch häufig die Zeit (und die Ruhe) zum lesen, denn familiäre Beziehungen wollen ja auch gepflegt werden. Außerdem will ich diese Zeit ja mit meiner Familie verbringen.

Auf der anderen Seite habe ich festgestellt, dass ich (gerade wenn ich unterwegs bin), immer mal wieder Freiräume habe, in denen ich mit Warten oder Nichtstun beschäftigt bin. Diese Zeiträume sind zwar kurz, aber reichen oft aus, zumindest ein paar Seiten lesen zu können. Deshalb habe ich mir angewöhnt, immer (wirklich immer) ein Buch mitzunehmen. Egal, wohin ich gehe. Und auch nur ein Buch.

Wenn Du also damit anfangen willst, mehr zu lesen, such Dir ein Buch aus, dass Du schon die ganze Zeit lesen wolltest, und nimm es mit an jeden Ort, zu dem Du Dich begibst. Vielleicht klappt es nicht sofort und Du schleppst das Buch wochenlang mit Dir herum, ohne auch nur einen einzigen Blick hineinzuwerfen. Aber irgendwann wirst Du einen Blick hineinwerfen, weil Dir einfach total langweilig ist – zum Beispiel weil Du beim Bürgeramt darauf wartest, dass der nächste Sachbearbeiter frei wird.

Interessanter Nebeneffekt: andere sprechen Dich auf das Buch an und es entstehen sehr schnell interessante Gespräche über das Thema Deines Buches!

Tipp 2: Reise mit dem Zug (easy)

Ja, die liebe Bahn. Es wird ja viel geschimpft über verspätete Züge und schlechtes bzw. nicht vorhandenes WLAN. Mit dem Zug und den öffentlichen Verkehrsmitteln dauert eine Reise außerdem oft sehr viel länger als mit dem Auto. Die Frage ist nur: Was machst Du mit der Zeit, die Du mit dem Auto gespart hast? Richtig: nichts!

Ich habe entdeckt, dass das Reisen mit Bus & Bahn einen unschlagbaren Vorteil hat: Die Reisezeit kann ich sehr gut nutzen, um zu lesen. Wenn man Auto fährt, musst man sich auf den Verkehr und die Reiseroute konzentrieren. Schlechtes oder fehlendes WLAN hat den großen Vorteil (!) , dass ich auf mein Smartphone gar nicht erst draufzuschauen brauche. Ich kann eh nicht surfen. Dass es mal eine Stunde länger dauert, ist ebenfalls ein Vorteil: ich habe eine Stunde mehr, um zu lesen und nicht abgelenkt zu werden.

Wenn Du Pendler bist, solltest Du einmal schauen, ob Du Deinen Arbeitsplatz nicht auch mit der Bahn oder dem Bus erreichen kannst, um diese Zeit für das Lesen zu reservieren. Nicht vergessen: Das Buch immer dabeihaben! (Siehe Tipp 1)

Rechne es einfach mal kurz durch: Wenn Du mit dem Auto eine ¾ Stunde zur Arbeit benötigst und mit der Bahn 1 Stunde und 15 Minuten, hast Du auf der einen Seite 2,5 Stunden pro Tag, in denen Du lesen kannst. Bei einer Fünf-Tage-Woche sind das bereits 12,5 Stunden. Wenn Du das regelmäßig machst, wirst Du bereits sehr viel lesen können und auch keine weiteren Zeitfenster benötigen, denn in 12,5 Stunden lässt sich bereits eine Menge schaffen. Auf der anderen Seite: Mit dem Auto sparst Du 2,5 Stunden pro Woche. Ich frage Dich aber gerne noch einmal: Was tust Du mit diesen zweieinhalb Stunden?

Ein erhellendes Video dazu findest Du übrigens auch in meinem Blogartikel: Wo bleibt eigentlich die gesparte Zeit?

Tipp 3: Höre Podcasts bei allen Haushaltsarbeiten, Sport etc. (easy)

Bücher sind nicht die einzige Quelle für neues Wissen. Das Internet bietet eine Menge spannender Podcasts zu allen erdenklichen Themen. (Einige zum Thema New Work und Motivation findest Du übrigens auf meiner Netzwerk-Seite.) Schau Dir an, was Du in der Woche so tust und identifiziere alle Tätigkeiten, bei denen Du geistig weniger anspruchsvolle Tätigkeiten ausübst und einen Podcast nebenbei hören kannst.

Das werden in der Regel eine ganze Menge sein: Putzen, Staubsaugen, Bügeln, Gartenarbeit, Arbeitsweg (mit dem Auto) und vieles andere mehr. Falls Du also Tipp 2 nicht umsetzen kannst (oder willst), such Dir einen Podcast aus und höre diesen auf dem Weg zu Arbeit. Wenn Du diesen Tipp umsetzt, kann es Dir sogar passieren, dass Du Dich auf das Bügeln freust, weil Du dann die neue Podcastfolge hören kannst.

Tipp 4: Führe eine Lese-ToDo-Liste (easy)

Es gibt ja diese Bücher, die man immer schon lesen wollte. Vielleicht hast Du es ja sogar schon gekauft, aber es steht ungelesen im Schrank. Oder Du hast sogar einen großen Stapel von einem Dutzend Büchern, in die Du noch nicht reingeschaut hast. Nimm Dir das interessanteste heraus und nimm es überall hin mit (Tipp 1). Für die anderen Bücher machst Du Dir eine Lese-ToDo-Liste. Du sortierst diese Liste in der Reihenfolge, in der Du die Bücher lesen willst und schreibst Du außerdem auf, wann Du sie gelesen haben willst.

Mein persönlicher Anspruch liegt übrigens nur bei einem Buch pro Monat. Das ist nicht sonderlich viel. Andere lesen deutlich schneller und mehr. Aber ich mache mir beim Lesen auch sehr viele Notizen und „arbeite“ mit dem Buch. Zusätzlich schreibe ich in der Regel für jedes Buch auch noch eine Review für meinen Blog. Das hilft mir, Inhalte für mich noch einmal zusammenzufassen und auf den Punkt zu bringen. Wenn Du also Deine Bücher „lediglich“ gelesen haben willst, schaffst Du vielleicht sogar noch mehr.

Tipp 5: Schaue weniger Fernsehen (medium)

Den Tipp kennst Du wahrscheinlich schon, deshalb gibt es dazu nicht mehr so viel zu sagen. Ich möchte das Fernsehen auch nicht verteufeln. Filme, Serien und Dokus können total entspannend und unterhaltsam sein. Das Problem ist nur: Wir schauen auch sehr viel Müll, den wir eigentlich gar nicht gucken wollten. Beobachte Dich einmal selbst und schreib auf einen Zettel, was Du alles geschaut hast und wie lange das war. Neben der Serie, die Du unbedingt gucken wolltest, werden sich da eine Menge Talkshows und ähnliches finden, die Du nur geguckt hast, weil der Fernseher eh gerade an war.

Also, wenn Du etwas unbedingt gucken willst, schau es Dir an. Aber schau Dir auch nur das an! Wenn Dein Partner oder Deine Familie Filme oder Serien gucken, die Dich nicht interessieren, setz Dich nicht dazu. Geh in einen anderen Raum und lies Dein Buch. (Sollte sich Dein Partner oder Deine Familie darüber beschweren, sag ihnen, dass Du gerne bleibst, wenn der Fernseher ausgemacht wird. Setz Dich übrigens zum Lesen nicht daneben, das Fernsehen wird Dich immer ablenken.

Groucho Marx

Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.

Groucho Marx, Marx Brothers

Tipp 6: Mach Dir feste Termine inklusive Benachrichtigung (medium)

Jetzt geht’s ans Eingemachte! Wenn Du bereits überall ein Buch hin mitschleppst, Deine Lese-ToDo-Liste aufgestellt hast und den Fernseher nur noch im Notfall anschaltest, kannst Du feste Routine für das Lesen etablieren. Wenn Du Terminkalender nutzt, um Deinen Tag zu strukturieren, trage dort feste, immer wiederkehrende, nicht zu verschiebende Zeiträume ein, die für Dein aktuelles Buch reserviert sind. Wenn Du ein Smartphone hast: Mach Dir Termine und lass Dich vom Smartphone benachrichtigen.

Jetzt bist Du vielleicht erstmal schockiert: „Was?! Ich soll das Lesen planen wie meine Arbeit?! Das soll doch was Schönes und Entspannendes sein!“ Mag sein. Aber auf Deine Art hat’s ja bisher anscheinend nicht geklappt. Sonst würdest Du das hier ja gar nicht lesen, oder? Und mal ehrlich: wir alle nutzen Messenger am Smartphone, die uns für den größten Quatsch eine Benachrichtigung schicken. (Luste Bildchen und Videos, Spam-Mails etc.) Warum soll es dann schlecht sein, sich Termine für das Lesen zu setzen und sich dazu eine Benachrichtigung schicken zu lassen?

Wenn Du eine Familie hast, kannst Du Freiräume vereinbaren oder etablieren, die Du für Dich (und zum Lesen) nutzen kannst. Es hilft allen, sich an Deinen Lese-Routine-Terminen zu orientieren. Wichtig ist natürlich, dass Ihr das alle gemeinsam vereinbart. Es müssen allerdings nicht einmal Deine eigenen Termine sein, die Du zum Lesen nutzt. Meine Frau geht beispielsweise seit ein paar Monaten drei bis vier Mal pro Woche ins Fitnessstudio. In der Stunde, die sie nicht da ist, lese ich. Immer. (Mein Sohn spielt eh draußen oder ist beim Nachbarn, weil er weiß, dass ich lese.)

Tipp 7: Schaue gar kein Fernsehen (hard)

Als ich Student war, hatte ich anfangs kein Geld für einen Fernseher. Also musste ich erst für einen sparen. Als ich das Geld dafür dann zusammen hatte, habe ich mir davon etwas anderes (zweite E-Gitarre) gekauft, weil ich festgestellt habe, dass ich ohne Fernsehen überhaupt nichts verpasst hatte. Ja, ich geb’s zu, gar kein Fernsehen zu schauen, wirkt auf andere häufig ein wenig schräg – ist es wahrscheinlich auch. Ich habe aber festgestellt, dass man nicht wirklich etwas verpasst, wenn man eine bestimmte Serie nicht kennt oder einen tollen Film nicht gesehen hat.

Tipp 8: Limitiere Deine Online-Zeit (hard)

Smartphones sind super! Für vieles sind sie extrem nützlich und hilfreich. Aber sie sind tödlich für Deine Konzentration und fressen Deine Zeit auf. Wenn Du Dir Termine für’s Lesen machst, dann lies das Buch und lass das Smartphone Smartphone sein. Nimm Dein Smartphone nicht mit, wenn Du wirklich lesen willst. Vibrationsalarm oder Stummschalten reicht nicht! Neuere Studien haben belegt, dass schon die reine Anwesenheit von Smartphones unsere Konzentration mindert, selbst wenn das Smartphone stumm geschaltet und in der Tasche ist. Der beste Rat, den ich Dir geben kann: Lass Dein in einem anderen Raum. Oder nutz wenigstens eine App wie Quality Time. Dann kannst Du während Deiner Termine Dein Smartphone bewusst blocken und für den Zeitraum unbrauchbar machen. (Es wird ohnehin nichts Wichtiges passieren, versprochen!)

Denk immer daran: Du willst lesen nicht surfen. Du willst nicht telefonieren – Du willst lesen!

Noch mehr Tipps?

Das waren sie, meine acht Tipps für alle unter Euch, die keine Zeit zu lesen haben hatten. Ich wünsch Euch viel Spaß beim Ausprobieren und freu mich natürlich auch über Feedback und weitere Tipps von Eurer Seite. Hinterlasst mit einfach weiter unten einen Kommentar!

Von |2018-08-30T13:50:01+00:0018. Juni 2018|Kategorien: Lernen|Schlagworte: , , |0 Kommentare

Über den Autoren:

Ich glaube an eine Arbeitswelt, in der Menschen darauf brennen, am Montag endlich wieder zur Arbeit gehen zu dürfen. Deshalb helfe ich Menschen, Unternehmen und Organisationen, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sich Motivation und Engagement entfalten können.

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