Dieser Blogartikel basiert auf dem Buch The Infinite Game von Simon Sinek und ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich war im ersten Moment etwas verwirrt. Nachdem wir uns schon voller Tatendrang unsere Vision, unser „Warum“ erarbeitet haben und stetig versuchen danach zu handeln, sollen wir nun auch noch ein Just Cause, eine Berufung haben? Ist es nicht genug im Sinne einer Vision zu handeln?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zunächst einmal den Unterschied zwischen einem Just Cause (ich bleibe einfach bei dem englischen Begriff) und einer Vision bewusst machen. Anschließend schauen wir einfach mal, wie es sich auswirkt, wenn man keinem Just Cause folgt. Und traurig aber wahr, es gibt reichlich Beispiele dafür.

Just Cause und Vision – Der Unterschied

Womit ich mich die letzten Monate und Jahre schwer getan habe, ist nachzuvollziehen, wie eine Unternehmensvision für alle Mitarbeitenden gelten kann. Ich stelle mir das nämlich so vor, dass irgendwann mal irgendjemand eine Vision hat und eine Firma gründet. Dieser Irgendjemand hat also eine klare Vorstellung davon, warum er die Firma gründet und was er damit erreichen möchte. Soweit so gut. Nun nehmen wir doch einmal eine seit Jahren bestehende Firma. Der Irgendjemand ist mittlerweile in Rente gegangen oder seit zig Jahren tot. Neue Geschäftsführer haben sich die Klinke in die Hand gegeben und immer wieder werden neue Mitarbeitende eingestellt. Niemand spricht mehr von der ursprünglichen Vision, die Irgendjemand hatte. Und dann kommen auf einmal Begriffe wie Neue Arbeit, Digitalisierung, Agilität, Motivation etc. auf und alle springen im Dreieck. Verdammt, wir brauchen eine Vision! Dass es da mal einen Irgendjemand gab, der bereits eine Vision hatte, daran denkt niemand mehr.

Ein Stück weit bestätigt Simon Sinek nun meine Bedenken, in dem er uns für beide Begriffe, der Vision und dem Just Cause Rahmenpunkte setzt.

Die Vision

Eine Vision, wie Simon Sinek sie beschreibt, ist zunächst einmal etwas ganz Individuelles. Sie ist die Essenz dessen, wer wir sind und woran wir glauben. Und wenn eine Vision dies ist, dann stammt sie zwangsläufig aus unserer Vergangenheit. Denn die macht uns zu dem Menschen, der wir heute sind.

Wenn man ganz viel Glück hat, trifft man auf einen Geschäftspartner oder auf eine Firma, der/die eine ähnliche Vision hat. Nehmt zum Beispiel die Vision von FlowWork.Rocks! Sie ist eine Mischung aus den Visionen von Lars und mir. Sie ähneln sich sehr, aber es gibt dennoch kleine Unterschiede. Zum Glück sind sie so klein, dass wir uns sehr schnell auf eine gemeinsame Vision einigen konnten, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. (Hätten wir wohl auch nicht getan.)

Und genau so würden wir auch Mitarbeiter einstellen. Sie sollten eine ähnliche Vision haben wie wir. Aber ihr merkt schon. Ähnlich ist eben nicht das Selbe, nichts Allgemeingültiges. Und wir sind eine neue Firma. Wir haben keine übernommen sondern selbst eine gegründet.

Das „Just Cause“

Ein Just Cause hingegen wird als eine spezifische Vision der Zukunft beschrieben, die so noch nicht existiert und in der Lage ist auch langfristig (sehr langfristig) zu motivieren.

Laut Simon Sinek muss ein Just Cause, eine Berufung, zudem 5 Aspekte erfüllen. Und zwar alle. Also nicht schummeln…:

  • Es muss für etwas sein

  • Es muss offen für alle sein

  • Es muss serviceorientiert sein

  • Es muss resilient/belastbar sein

  • Es muss idealistisch sein

Für etwas sein

Es ist wichtig, eine Unterscheidung darin zu treffen, ob man für oder gegen etwas ist. Möchte man das Infinite Game, das unendliche Spiel, richtig spielen, sollte man es ja mit einer unendlichen Haltung spielen. Gegen etwas zu sein bedeutet aber, dass man etwas beenden möchte. Demnach ist es eine endliche Haltung, die wir einnehmen.

Für etwas zu sein, bedeutet hingegen zu wachsen, inspiriert und inspirierend zu sein, denn für etwas zu sein endet nicht zwangsläufig.

Offen für alle sein

Ein Just Cause muss die Möglichkeit bieten, alle einzuschließen, die es möchten. Wie ich bereits in meinem Beitrag zur TZI geschrieben habe, funktionieren wir besser, wenn wir einer Gemeinschaft angehören. Wir sind nun einmal Rudeltiere.

Um kundzutun, dass man offen für alle ist, muss man natürlich auch eine inspirierende Einladung aussprechen. Diese muss eine positive, spezifische (greifbare), alternative Vision der Zukunft bieten. Wobei „Vision“ hier etwas Sichtbares, Vorstellbares bedeutet.

Serviceorientiert

Um serviceorientiert zu handeln, muss man durchaus zwei Gruppen einbeziehen. Einmal die Geber; also die, die uns Ideen, Geld oder auch Arbeit geben. Zum anderen die Nehmer, die das Gegebene auch annehmen. Wichtig ist jedoch, dass der Vorteil primär (!) an andere gehen muss. Wir dürfen natürlich davon ausgehen, dass jeder Nehmer und Geber ist.

Das bedeutet, dass auch ich durchaus Vorteile haben darf von dem, was ich tue. Aber eben nur sekundär. Als Beispiel nehmen wir mal unsere FrooCs. Lars und ich laden Experten ein, die ihr Wissen live mit anderen, den Teilnehmern, teilen. Unser Anliegen ist es, eine Möglichkeit zu bieten, Wissen zu teilen, zu erwerben, sich auszutauschen und das kostenlos. Natürlich haben wir davon auch Vorteile, indem auch wir neues Wissen und Austausch (mit Experten und den Teilnehmenden) bekommen. Das ist aber nicht unser primäres Anliegen. Sonst bräuchten wir ja keine FrooCs, wir könnten einfach fragen.

Nur wenn ich also nicht alleine in meinem Interesse handle, sondern auch möchte, dass das Spiel für andere weiter geht, spiele ich mit einem Infinite Mindset, einer unendlichen Haltung.

Resilient, belastbar

Ein Just Cause muss resilient, das bedeutet belastbar, unverwüstlich sein. Es muss in der Lage sein, politisch, technisch und kulturell zu verändern. Es darf sich nicht auf bestehende Produkte oder Services beziehen, die man anbietet. Denn die können schnell überholt sein. Es muss größer sein als dies.

Idealistisch

Dieser Punkt war am schwierigsten für mich nachzuvollziehen. Mit Begriffen wie „frech“ und „groß“ konnte ich ja noch leben. Aber dann kam eine Sache hinzu, die ein Just Cause haben muss, mit der ich zunächst nicht einverstanden war. Es muss unerreichbar sein.

Warum hatte ich damit wohl Schwierigkeiten? Wir von FlowWork.Rocks! haben den Anspruch, immer im Einklang mit der Selbstbestimmungstheorie von Ryan & Deci zu handeln und stehen unter anderem für Flow. Und dementsprechend ist für ein Ziel was wichtig? Herausforderung. Ein Ziel muss herausfordernd sein, damit sich intrinsische Motivation und Flow entfalten können. Es darf allerdings auch nicht zu schwer sein oder unerreichbar.

Tja, da stehen wir nun dumm da, was?

Nicht ganz. Denn ja, das letztliche Ziel eines Just Cause muss unerreichbar sein. Aber gleichzeitig müssen Teilziele auf dem Weg dorthin nicht nur erreichbar sein, sie müssen auch sichtbar erreicht werden, damit andere daran glauben können.

Ein Beispiel

Ich habe auch ein wirklich gutes Beispiel für ein Just Cause für Euch.

„Ja, ich werde die Welt retten! Wenn ich es schaffe, auch nur einem Menschen eine Perspektive aufzuzeigen, dann habe ich das Weltbild dieses Menschen zum Positiven verändert und damit das Schicksal und die Zukunft dieser Person gerettet.“

Ist leider nicht von mir. Dieses Zitat stammt von einem netten Herrn, über den ich vor ein paar Tagen zufällig bei LinkedIn gestolpert bin: Ali Mahlodji. Den Namen hatte ich noch nie zuvor gehört (ja, ist ja gut. Ich schäme mich schon), aber ich habe mich mit ihm vernetzt, weil ich seinen Blog so gut fand. Und dann finde ich heraus, direkt nachdem ich das Buch von Simon Sinek zu Ende gelesen habe, wer er ist und was für ein lupenreines Just Cause er doch hat. Tja, so spielt das Leben manchmal (noch eine amüsante Kleinigkeit: Ich habe ihm das Buch empfohlen. Ich glaube allerdings mittlerweile, er braucht es nicht wirklich). Schaut gerne mal auf Alis Homepage vorbei, ist wirklich spannend und inspirierend.

Lars und ich überlegen gerade noch, ob unsere Vision nicht auch alle Kriterien eines Just Cause erfüllt. Was meint Ihr?

Jetzt haben wir uns mal wieder verplaudert

Immer das Selbe mit Euch… Da wollte ich Euch noch was Wichtiges erzählen, nämlich wie es ist, ohne Just Cause arbeiten zu müssen und dass es auch gar nicht das einzige ist, was man so braucht, und zack ist die Zeit schon wieder um.

Aber mal Scherz beiseite. Es ist einfach zu viel Inhalt für einen Blogartikel und daher schreibe ich einfach noch einen zweiten. See u soon!