Interssanterweise drängt sich beim Thema E-Learning das Thema Video, also die reine Wissensvermittlung, stets sehr stark in den Vordergrund. Das führt meines Erachtens dazu, dass Teilnehmer in Online-Kursen vereinzelt werden und die Lerngruppe auseinanderfällt. Nicht selten bestehen E-Learning-Kurse aus vorgefertigten Inhalten, die über Videos oder Podcasts vermittelt werden, während die einzige „Aktivität“ der Teilnehmer besteht darin, abprüfbares Wissen in Solo-Quizzen zu beantworten.

Dabei gibt es eine Menge Möglichkeiten, interaktives E-Learning zu designen und so kooperatives und kollaboratives Lernen der Teilnehmer untereinander zu fördern. Deshalb möchte ich in diesem Blogeintrag die fünf besten Aktivitäten, die das Learning-Management-System Moodle für solche Zwecke bietet, kurz vorstellen.

Forum

Eine gute Möglichkeit, die interaktives E-Learning zu fördern, sind die Foren von Moodle. Was den Funktionsumfang angeht können sie im Vergleich zu professioneller Forensoftware zwar nicht mithalten, allerdings haben die Foren alle wichtigen Grundfunktionen, die für eine gute Kommunikation untereinander notwendig sind. Wenn Du den Umfang der Forenfunktionen noch erweitern möchtest, gibt es hierzu ein sehr gut gelungenes PlugIn namens Advanced Forum, das einige spannende Zusatzfunktionen bereithält.

Viel wichtiger ist jedoch die Frage, wie Foren genau eingesetzt werden sollen, damit die Kommunikation zwischen den Teilnehmern auch wirklich anläuft. Häufig scheitert der Einsatz von Foren daran, dass die Teilnehmer sich nicht beteiligen. Hilfreich ist es, durch die Lernmaterialien des Kurses bewusst Fragen offen zu lassen und Deine Teilnehmer so zu Diskussionen zu animieren. Auch einige bereits vorzufindende Themenvorschläge, die Du bereits im Forum hinterlegt hast, machen den Einstieg in die Diskussion leichter.

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Glossar

In vielen Lernsituationen kann es der Fall sein, dass Deine Teilnehmer eine Menge neuer Fachbegriffe lernen, die helfen, sich schnell über bestimmte Inhalte auszutauschen. (Sofern alle Kommunikationspartner das Gleiche unter einem Fachbegriff verstehen.) Selbstverständlich ist es grundsätzlich möglich, dass die Teilnehmer Deines Moodle-Kurses zur Recherche Suchmaschinen und andere Webseiten nutzen, um Fachbegriffe zu erarbeiten.

Eine interessante Alternative zur Sammlung von Fachbegriffen ist die Moodle-Aktivität Glossar. Hier sind vor allem zwei Funktionen spannend: Zum einen kannst Du (Standard-)Glossare und einen Hauptglossar anlegen, der Einträge aus Standardglossaren importiert. Zum andern kannst Du die Funktion Auto-Verlinkung nutzen, um bereits von den Teilnehmern definierte Begriffe im gesamten Kurs als Link darzustellen. Je mehr Begriffe Deine Teilnehmer selbst erarbeiten, um so mehr Links finden sich in allen Texten (auch in Foreneinträgen!) Deines Kurses. Das hilft gerade unerfahrenen Teilnehmern, da sie sich unbekannte Begriffe selbst erarbeiten können, ohne Deine Lernplattform zu verlassen. Dein Moodle-Kurs entwickelt sich durch verlinkte Glossare zu einer Art Wiki.

Natürlich ist es möglich, die Definitionen in den Glossaren kooperativ zu bearbeiten und zu kommentieren, was eine fruchtbare Diskussion unter Deinen Teilnehmern erzeugen kann.

Datenbank

Was spricht dagegen, Teilnehmern die Aufgabe zu stellen, ihr Kursmaterial selbst zusammenzustellen und ihnen nur das Thema vorzugeben? Richtig: Nichts! Stattdessen erstellen Trainer in MOOCs, Online-Kursen und auch in normalen Schulungen eine unendliche Vielzahl von Materialien lieber selbst.

Die Kursaktivität Datenbank von Moodle ist seltsamerweise die am wenigsten genutzte Aktivität in Online-Kursen überhaupt.(1) Dabei bietet sie eine kaum erfassbare Zahl an Anwendungs- und Umsetzungsmöglichkeiten, Teilnehmer zu aktivieren und dazu zu animieren, ihre eigene Materialsammlung vorzunehmen. Als kreatives Beispiel mag diese Bildersammlung im Comic-Buch-Design dienen. Noch dazu kann eine Datenbank-Aktivität im Kurs helfen, dass Materialien nicht (nur) in den Blogs oder Social-Media-Accounts der Teilnehmer „zersplintert“ werden.

Wiki

Die Moodle-Aktivität Wiki bietet Deinen Teilnehmern die Möglichkeit, in kooperativer Arbeitsweise eine Zusammenfassung der Kursinhalte anzulegen, Links zu externen Quellen festzuhalten und vieles mehr. Das macht Wikis vor allem in emergenten Lernszenarien interessant, wenn noch nicht absehbar ist, wohin der Lernprozess exakt führen soll. Wikis sind gut nutzbar, unterschiedliche Blickwinkel aller Teilnehmer zu erfassen und eine Diskussion hierüber anzuregen, denn durch das kooperative Erstellen eines Artikels fällt schnell auf, dass Sichtweisen aus den verschiedensten Gründen miteinander kollidieren.

Die Funktionsweise ist sehr umfangreich und komplex. Wenn Du Wikis nutzen möchtest, solltest Du vor allem darauf achten, dass Deine Teilnehmer bereits Erfahrung mit der Erstellung von Wiki-Einträgen haben. Andernfalls bietet es sich an, eine Anleitung mit den wichtigsten Wiki-Befehlen bereitzuhalten, um Neulinge nicht zu überfordern. Alternativ kannst Du statt eines Wikis auch mit der Glossar-Aktivität beginnen und die Autoverlinkung aktivieren. (Siehe oben)

Peer Assessment (Workshop)

Die Aktivität Gegenseitige Beurteilung (bis Moodle 2.9 „Workshop“) ist sehr effizient, wenn Du beabsichtigst, dass Deine Teilnehmer sich ein stark vertieftes Wissen erarbeiten. Denn in dieser Aktivität geht es nicht (nur) darum, lediglich eine Aufgabe zu bearbeiten, sondern später auch eingereichte Aufgaben anderer Teilnehmer zu bewerten und zu beurteilen. In präskriptiven Lernszenarien erzielst Du damit, dass Du Dich zum einen selbst entlastest, indem Du die Aufgabe der Beurteilung bewusst abgibst und zum anderen, dass Deine Teilnehmer sich mit den Sichtweisen anderer Teilnehmer beschäftigen (müssen) und die zu erreichenden Lernziele noch besser vertiefen.

Fazit

Es gibt eine Menge an Möglichkeiten interaktives E-Learning durch eine geschickte Auswahl an Aktivitäten zu erreichen statt auf reine Ein-Weg-Vermittlungsverfahren mit Videos zurückzugreifen. Die aufgeführten Aktivitäten sind in vielen verschiedenen Szenarien denkbar, haben aber alle gemein, dass Du die Interaktion Deiner Teilnehmer untereinander förderst und die Vereinzelung der Teilnehmer, die gerade in E-Learnings schnell entstehen kann, mindern kannst.

Anmerkungen   [ + ]

1.Zumindest sind ist mir diese Aktivität bisher in keinem MOOC oder Online-Kurs, den ich belegte, begegnet.