Die Digitalisierung des Lernens ist ja derzeit in aller Munde. Ganz gerne wird dabei vergessen, dass dadurch zwangsläufig nicht nur Vorteile entstehen, sondern auch Nachteile. Schon vor gut zwei Jahren belegte die Studie The Pen Is Mightier Than The Keyboard von Pam Mueller und Daniel Oppenheimer, dass wir Lerninhalte besser behalten und verinnerlichen, wenn wir diese handschriftlich notieren, statt sie direkt über die Tastatur in den Laptop oder Computer zu schreiben.

Mueller und Oppenheimer ließen Studenten ein 20 Minuten langes Lernvideo auf TED anschauen und baten sie, sich zu den Inhalten Notizen zu machen. Eine Gruppe fertigte diese Notizen handschriftlich an, die andere hielt Wissenswertes über einen Computer fest. Da bei der Studie der „Ablenkungsfaktor“ moderner Computer & Handys nicht im Vordergrund stand, wurden die Computer und Laptops so modifiziert, dass alles andere außer einem einfachen Textverarbeitungsprogramm abgeschaltet war.

Auffällig war vor allem, dass die Notizen auf den Laptops sehr ausführlich waren und wortwörtlich mitgeschrieben wurde. Die Gruppe der „Handschreiber“ hingegen fasste Gedankengänge viel stärker zusammen. In einem daran anschließenden Wissenstest schnitten die Studenten, die handschriftliche Notizen anfertigten, deutlich besser ab. Das betrifft insbesondere konzeptuelle Verstehensleistungen, also das Bilden von Schlussfolgerungen. Der Test belegt also, dass wortwörtliche Mitschriften über die Computertastatur sich negativ auf die Lernleistung auswirken.

Mueller und Oppenheimer wiederholten daher den Test und nahmen noch eine weitere, dritte Gruppe hinzu. Diese Gruppe sollte ebenfalls das Lernvideo anschauen und Notizen mit dem Computer aufschreiben. Die Teilnehmer dieser Gruppe wurden jedoch zusätzlich angehalten, dies langsam und nicht so ausführlich zu tun, da wortwörtliche Notizen sich negativ auf ihr Lernen auswirke. Die beiden anderen Gruppen waren identisch mit denen aus dem ersten Test. Im darauf folgenden Wissenstest schnitt die dritte Gruppe allerdings genauso schlecht ab, wie die Gruppe, die Notizen mit dem Laptop anfertigte, ohne dabei besondere Instruktionen zu erhalten.

Zur Langzeitwirkung der Lernarten wurde ein dritter Test durchgeführt: Der Wissenstest fand bei dieser Variante eine Woche später statt und bevor er durchgeführt wurde, durften sich die Teilnehmer ihre Notizen für 15 Minuten noch einmal durchlesen. Doch auch in diesem dritten Test, waren die Studenten, die ihre Notizen handschriftlich angefertigt hatten, immer noch deutlich besser als die Vergleichsgruppen.

Eine mögliche neurobiologische Erklärung für den Befund dieser Studie ist die Tatsache, dass das Schreiben an der Computertastatur andere und weniger Hirnregionen beansprucht als das Schreiben mit der Hand. Bei Letzterem wird das Gehirn umfangreicher genutzt. Da handschriftliche Notizen zudem länger dauern, ist der Lerner beim Notieren von Inhalten viel stärker gezwungen, bereits Konzepte, Strukturen und Vereinfachungen zu bilden.

Interessant wäre eine Studie dazu, wie sich das Anfertigen von Sketchnotes auf die Lernleistung auswirkt. Leider gibt es hierzu (noch) keine Studie.

Fazit

Handschrift und Lernen steht also erwiesenermaßen in einem engen Zusammenhang. Wenn Du also Mitschriften anfertigst, solltest Du den Laptop besser zuklappen und Wichtiges lieber ganz klassisch mit Papier und Stift festhalten.