Flipcharts gestalten

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Flipcharts gestalten

Da sich der Artikel zum Schreiben am Flipchart recht großer Beliebtheit erfreut, wurde ich gebeten, noch ein wenig mehr über die Nutzung des Flipcharts zu schreiben. Diesem Wunsch komme ich natürlich gerne nach!

Überschrift

Flipcharts haben – im Gegensatz zu PowerPoint-Folien den großen Vorteil, dass Du sie während des Workshops abtrennen und mit Klebestreifen an der Wand befestigen kannst, sodass jeder Teilnehmer sie im weiteren Verlauf des Trainings noch einmal anschauen kann. Um Deinen Teilnehmern sowohl beim Erarbeiten eines Themas als auch im späteren Seminarverlauf die Orientierung zu erleichtern, braucht jedes Flipchart immer eine Überschrift, damit immer klar ist, worum es (gerade) geht!

Es lohnt sich außerdem, einige verschiedene Standards für Headlines zu entwickeln. Hierzu findest Du sehr viel Inspirationsmaterial in guten Fachbüchern, wie beispielsweise im Buch FlipchartArt von Elke Meyer, das ich nur wärmstens empfehlen kann! Auch im Sketchnotes-Handbuch von Mike Rohde, das ja eigentlich für das Machen von Notizen gedacht ist, findest Du eine Menge guter Visualisierungstipps für Überschriften.

Oder wirf einmal einen Blick auf meinen Artikel Flipchart-Überschriften gestalten.

Ränder & Weißraum

Ränder und Weißraum auf einem Flipchart sind nicht einfach nur „Nichts“, sondern Mittel zur Gestaltung. Durch sie stellst Du Ordnung in Deinen Informationen her und erleichterst Deinen Workshopteilnehmern die Aufnahme von neuen Informationen. Bei Flipcharts hat es sich bewährt, an den Seiten Freiraum von mindestens 2 Kästchen zu halten (ca. 5cm), am oberen und unteren Rand sogar 3 Kästchen (7,5 cm).

Einheitliche Schrift

Nutze eine einheitliche Schrift und mixe Schreibschrift nicht mit Druckschrift. Außer wenn Du durch bestimmte Schriftarten Akzente setzen möchtest – beispielsweise bei Headlines. Ansonsten solltest Du eine serifenlose Druckschrift verwenden, die Groß- und Kleinbuchstaben nutzt, um Deinen Teilnehmern das Lesen Deiner Flipcharts so einfach wie möglich zu machen. Wichtige Tipps zum Schreiben am Flipchart findest Du wie eingangs erwähnt im gleichnamigen Artikel hier im Blog.

Einsatz von Farbe

Geh mit Farben gezielt und sparsam um und entwickle auch hier eine eigene Farbsprache, indem Du bestimmte Farben immer wieder für die gleichen Aspekte nutzt. Für den Fließtext eignen sich aufgrund des größeren Kontrastes Schwarz oder Blau; Rot und Grün hingegen für Hervorhebungen. Sieh davon ab, weitere Farben zu nutzen, da das Deine Teilnehmer verwirren kann. Wenn Du eventuelle Zeichnungen auf Deinen Flipcharts kolorieren möchtest, kannst Du natürlich mehr als vier Farben verwenden; an dieser Stelle geht es mir ausschließlich um die farbliche Gestaltung Deiner Texte.

Arbeiten mit Stichpunkten

Mit einer der am häufigsten gemachten Fehler ist die Verwendung von (viel) zu viel Text auf den Flipcharts. Nicht selten werden Flipcharts einfach vorgelesen. Traust Du Deinen Teilnehmern nicht zu, selbst zu lesen? Noch schlimmer ist es, wenn auf Folien oder Flipcharts ausformulierte Sätze zu lesen sind, der Trainer oder Vortragende aber etwas ganz anderes erzählt. Das belastet zum einen das Sprachzentrum unseres Gehirns durch die parallele Befeuerung (auditiv und visuell) und zum anderen hat das Sprachzentrum selbst bei identischem Inhalt auf den beiden Kanälen Schwierigkeiten, da die Verarbeitungsgeschwindigkeit von gesprochener Sprache eine andere ist als bei geschriebener Sprache.

Daher solltest Du – wenn Du Text verwendest – diesen stets möglichst kurz halten. Satzgebilde ohne viel Ausschmückungen, die nur aus Subjekt und Prädikat bestehen (oder einem einzelnem Stichwort) bleiben viel leichter im Gehirn hängen als verschachtelte Bandwurmsätze. Noch besser ist es, wenn Du Bilder statt Text benutzt.

Bilder nutzen

Der dualen Kodierungs-Theorie folgend solltest Du nach Möglichkeit veranschaulichende Bilder, Icons und Symbole verwenden, um Deine Lerninhalte zu präsentieren, da dies den Lernerfolg deutlich erhöht. Auch hier kann ich nur noch einmal auf Bücher wie das Sketchnotes-Handbuch verweisen, die ausführlich auf dieses Thema eingehen!

Weniger ist mehr!

Die meisten Flipcharts kranken daran, dass wir sie viel zu voll mit Informationen packen (möchten). Das kann zum einen daran liegen, dass wir sehr viele Informationen haben, die besser auf mehreren Flipcharts aufgehoben wären, zum anderen sollte man immer wieder überlegen, ob man das zu zeigende Konzept nicht mit einer anderen Visualisierung deutlich prägnanter und besser auf den Punkt zu bringen wäre. Reduziere also die Anzahl der relevanten Punkte auf Deinen Flipcharts.

Faustregel: Ein Flipchart (oder eine Präsentation) ist nicht dann fertig, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.

Über den Autoren:

Ich glaube an eine Arbeitswelt, in der Menschen darauf brennen, am Montag endlich wieder zur Arbeit gehen zu dürfen. Deshalb inspiriere ich Menschen, Unternehmen und Organisationen, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sich Motivation und Engagement entfalten können.

3 Comments

  1. David Goebel 26. Juli 2017 um 10:20 Uhr - Antworten

    Hallo Lars,
    du sprichst mir aus dem Herzen, viele Flipcharts (und PPT-Folien sowieso) sind komplett überfrachtet. Ich empfehle sogar nur 5 Punkte pro Flipchart 🙂

    Vielleicht magst du auch mal bei mir vorbeigucken. Ich habe aktuell einen Artikel über welche Aspekte man sich Klarheit verschaffen sollte, BEVOR man ans Flipchart tritt.
    http://sinnstiften.biz/wie-du-mit-7-erprobten-schritten-ein-wow-flipchart-gestalten-wirst/

    SinnSTIFTende Grüße,
    David

  2. […] jeder Teilnehmer gut hören kann, was gesagt wird. Seltsamerweise werden viele Trainer bei der Gestaltung ihrer Flipcharts nachlässig. Gute und lesbare Schrift scheint nicht so wichtig zu sein und nicht selten hört man […]

  3. […] zu zeichnendes Flipchart einen großen Fundus hat, auf den man zurückgreifen kann. Wie ich an anderer Stelle schon ausgeführt hatte: Jedes Flipchart erhält immer eine […]

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