Kill the Boss – Wie uns Endbosse helfen, mehr Flow zu erleben

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Kill the Boss – Wie uns Endbosse helfen, mehr Flow zu erleben

Vor ein paar Monaten habe ich darüber geschrieben, wie sich Ziele in Spielen von Zielen in Unternehmen unterscheiden. Heute möchte ich mit Euch über sogenannte Endbosse sprechen und zeigen, wie uns diese Engegner in Spielen dabei helfen, mehr Flow zu erleben. Und vor allem möchte ich verdeutlichen, wie sich Endbosse von Prüfungen in Schulen oder Assessment Centern in Unternehmen unterscheiden.

Die meisten (Computer-)Spiele haben viele verschiedene Schwierigkeitsebenen (Level). Um in den nächsten Level eines Spiels zu kommen oder eine neue Umgebung betreten zu können, muss ein Spieler in der Regel einen besonders schwierigen Gegner besiegen, der den Zugang versperrt. Diese Endbosse sind meist besonders herausfordernd und verlangen einem Spieler oft sehr viel ab. Sie stellen also so etwas wie eine Prüfung unserer aktuellen Fähigkeiten dar. Prüfungen gibt es allerdings auch in der realen Welt. In Schulen und an Universitäten gibt es sie in Form von Klassenarbeiten, Klausuren oder Hausarbeiten. In Unternehmen oder Organisationen müssen wir häufig bestimmte Abschlüsse vorlegen können, um einen bestimmten Beruf ausüben zu können. Wenn wir uns auf eine Stelle bewerben, gibt außerdem oft sogenannte Assessment-Center.

Auf den ersten Blick könnte man also meinen, dass es keinen Unterschied zwischen einem Endboss und einer Prüfung gibt. Schauen wir aber genauer hin, sieht man sogar einige sehr gravierende Unterschiede.

Mit Enbossen mehr Flow erleben

Der eigentliche Zweck von Leveln ist es, den Schwierigkeitsgrad eines Spiels immer an die aktuellen Fähigkeiten eines Spielers anzupassen. Die Spielumgebung, in der wir uns befinden, ist also optimal an unseren Fertigkeiten ausgerichtet. Dadurch sind wir während des Spiels weder unter- noch überfordert und die Wahrscheinlichkeit, dass wir Flow erleben können, steigt beträchtlich.

  • Mehr zum Thema Flow findest Du auch in meinem Leitartikel Was ist Flow?

Stell Dir einfach den umgekehrten Fall vor: Könnten wir in einem Spiel jederzeit einfach in einen Bereich wechseln, der unsere aktuellen Fähigkeiten übersteigt, wären wir sehr schnell überfordert und auf kurz oder lang frustriert. Das Spiel macht keinen Spaß, weil es „zu schwer“ ist. Endbosse sind also (unter anderem) dazu da, sicherzustellen, dass wir dem nächsten Level gewachsen sind. Denn wenn wir in der Lage sind, den Endgegner zu besiegen, sind wir auch bereit für die Anforderungen des nächsten Spielabschnitts:

Endgegner optimieren die Wahrscheinlichkeit, dass wir Flow erleben!

Und wie steht’s mit Prüfungen außerhalb von Spielen?

Klassenarbeiten in Schulen, Klausuren an Universitäten oder Assessment Center in Unternehmen funktionieren vollkommen anders. Zwar ist hier der Grundgedanke natürlich auch, Lernern ein Feedback über ihren aktuellen Kenntnisstand zu geben oder durch einen Assessment Center sicherzustellen, dass ein Bewerberkandidat dem zukünftigen Job auch gewachsen ist.

Aber der Schwierigkeitsgrad im Unterricht oder Seminar ist von Prüfungen wie Klassenarbeiten oder Klausuren entkoppelt. Heißt im Klartext: Für das, was im Unterricht passiert, ist es vollkommen egal, ob wir in einer Klassenarbeit ein sehr gut oder ein ungenügend erhalten haben. Der Unterricht folgt lediglich seinem eigenen Takt. Er wird von Tag zu Tag, von Woche zu Woche schwieriger und umfangreicher. Die einzige Möglichkeit für Schüler oder Studenten ist es also, außerhalb nach Lernmöglichkeiten zu suchen, um ihre Kenntnisse aufzubessern und aufzuholen. Sie brauchen also Zusatztraining außerhalb der eigentlichen Lernumgebung, um ihre aktuellen Defizite zu verbessern. Erst dann können sie im Unterricht wieder Flow erleben. Aber selbst wenn ihnen das gelingt, befinden sie sich sehr lange in einer Umgebung wieder, die sie überfordert.

Dieses demotivierende Erlebnis könnte man nicht einmal mit dem Spieleklassiker Tetris vergleichen! Denn während Tetris abbricht und neu startet, wenn wir gescheitert sind, läuft der Schulunterricht einfach weiter. Schüler, die den Anschluss verlieren, fühlen sich so, als wären sie unter einem immer größer werdenden Haufen von Tetris-Steinen begraben, die immer schneller und schneller auf sie herabprasseln.

Wie sieht es in Organisationen und Firmen aus?

Bei Assessment Centern sieht es schon ein wenig anders aus. Hier wird ein Kandidat auf seine Fähigkeiten hin getestet, um sicherzustellen, dass er mit der späteren Tätigkeit nicht überfordert ist. Insofern sieht ein Assessment Center einem Endboss in der Funktion, das Flow-Erleben zu fördern, erstmal recht ähnlich. Allerdings gibt es auch hier einige wichtige Unterschiede.

Bei Assessment Center (und vielen andere Prüfungen in Unternehmen) geht es häufig lediglich darum festzustellen, was ein Kandidat kann (oder ist). Er wird also bewertet. Dahinter verbirgt sich das, was Carol Dweck ein statisches Selbstbild nennt. Durch Assessment Center soll in erster Linie geprüft werden, ob man einem Kandidaten Zugang zum einem neuen Job gewähren kann. Ob dieser im neuen Job tatsächlich Flow erleben wird, ist erstmal zweitrangig. (Hauptsache er ist nicht überfordert.) Dieses statische Selbstbild zeigt sich auch daran, dass die meisten Kandidaten in der Regel von einem Unternehmen nie ein zweites Mal für den gleichen Job eingeladen werden. Die dahintersteckende Denke der Personaler: „Der war ja schon einmal da und hat’s nicht geschafft!“

Endbosse in Spielumgebungen hingegen funktionieren auch in dieser Hinsicht vollkommen anders. Sie basieren auf einem dynamischen Selbstbild. Wenn wir einen Endboss nicht besiegen können, sagen uns Spiele nicht: „Vielen Dank, Herr Richter: Aber sie sind für dieses Spiel nicht geeignet!“ Wenn wir bei einem Endboss scheitern, ist die Nachricht in der Regel:

Game Over! Press Start to continue!

Es gibt keine maximale Zahl an Versuchen, die ich nutzen darf, um einen Endboss zu besiegen. Und selbst wenn ich 20 Anläufe brauchen sollte: Was in einem Spiel wirklich zählt, ist ausschließlich die Tatsache, dass ich es beim 20. Mal geschafft habe. Kennst Du jemanden, der 20 Mal für ein Jobinterview eingeladen wurde? Ich nicht.

The Missing Link

Die feste Kopplung zwischen Endboss und neuem Level, die wir in Spielen vorfinden, entfällt bei Assessment Centern und vielen anderen Prüfungen in Organisationen oder Unternehmen ebenfalls. Während wir in Spielen einen Endboss besiegen können und dann direkt Zugang zu einem neuen, schwierigeren Spielbereich erhalten, um dort ordentlich Flow erleben zu können, sieht das in Unternehmen schon anders aus. Selbst wenn wir einen Assessment Center bestehen, heißt das noch lange nicht, dass wir den neuen Job auch kriegen. (Da gab’s noch diesen anderen, gleich guten Bewerber, der den Job auch für 80 % Deiner Gehaltsvorstellungen machen würde…)

Bei vielen anderen Prüfungen und Fortbildungen, die wir auf uns nehmen, dienen diese oft auch nur dazu, mehr Geld zu verdienen oder einen anderen Status zu erhalten. Wir machen eine Prüfung und dürfen uns fortan ein schickes Senior vor den Jobtitel schreiben. Aber außer der Tatsache, dass wir einen neuen Satz Visitenkarten erhalten und unsere E-Mail-Signatur geändert wird, ändert sich am Job selbst nichts.

Versteh mich nicht falsch, es ist ja im Grunde nichts dagegen einzuwenden! Nur geht es ja hier darum den Unterschied zwischen Endbossen anderen Prüfungen zu erklären. Die meisten Vorgesetzten, Manager und Entscheider denken ja oft, dass sie ihre Mitarbeiter mit Prüfungen oder anderen Herausforderungen „irgendwie motivieren“ würden. Aber wenn man nicht auf die Prinzipien achtet, die ich hier beschrieben habe, wird Motivation eher zerstört als erzeugt. Falls Dein Chef also das nächste Mal zur Motivation der Mitarbeiter und Kollegen eine Herausforderung oder Prüfung für irgendwas fordert, schau einmal genau hin, wie sie funktioniert und welche Mechanik dahintersteckt. Oder falls Du selbst Chef bist und Deine Mitarbeiter mit Herausforderungen motivieren möchtest, dann weißt Du ja jetzt, worauf Du (unter anderem) achten solltest. Falls nicht, darfst Du mich auch gerne kontaktieren. Ich helfe Dir dabei!

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Von |2018-09-02T13:14:22+00:003. September 2018|Kategorien: Gamification, Lernen, Motivation|Schlagworte: |0 Kommentare

Über den Autoren:

Ich glaube an eine Arbeitswelt, in der Menschen darauf brennen, am Montag endlich wieder zur Arbeit gehen zu dürfen. Deshalb helfe ich Menschen, Unternehmen und Organisationen, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sich Motivation und Engagement entfalten können.

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