Markus Väth wies kürzlich in seinem Blogartikel „New Work – Spiegel einer abgehobenen Elite?“ auf eine Tendenz „der Szene“ hin, die mir selbst auch bereits aufgefallen war. Den New Work Award von XING als „hochpreisige Veranstaltung“ betrachte ich nicht als Ursache, sondern als Symptom.

Ich möchte die XING-Veranstaltung zum Thema New Work auch nicht schlechtreden. Offensichtlich gibt es genügend Menschen, die sich für das Thema interessieren und bereit sind 700 Euro dafür auszugeben. Damit bedient XING erstmal eine Nachfrage – mehr nicht. Als Konsequenz einer derart abgehobenen Preispolitik kann man Markus Väth nur folgen und festhalten, dass man unter sich bleibt: „Manager und höhere Führungskräfte, entsandte Personaler, Gründer von New Work – Unternehmen und natürlich Berater.“

Die Diskussion um New Work findet in der Filterblase zwischen denen statt, die „es“ schon verstanden haben. Das Ganze ist ungefähr genauso sinnvoll, wie sich auf Twitter zu beschweren, dass (andere) HR’ler (noch) analog arbeiten: Man erntet eine Menge Zustimmung, Applaus und Zuspruch, bewirkt wird aber wenig bis gar nichts.

Wie verbreiten sich Ideen?

Macht man einmal den Selbsttest und fragt seinen eigenen Nachbarn, seine Kollegen, Eltern oder Freunde nach New Work, BarCamps oder Bildung 4.0, erntet man im Regelfall fragende Blicke. Dabei sind das genau die Menschen, die es angeht und die eine solche Bewegung wie New Work zuallererst tragen müss(t)en. Warum kommt von der Idee „New Work“ also so wenig an?

Das Netzwerk der New Worker besteht meiner Meinung nach vor allem aus Kennern und Experten, die jede Menge Spezialwissen besitzen. Um eine breite Bewegung zu erzeugen, braucht es aber Vernetzer und Verkäufer. Denn das sind die Menschen, die neue Ideen unter das Volk bringen. Es ist auch nicht so, dass es so etwas nicht gibt. Der zehnteilige Podcast von Inga Höltmann oder die Augenhöhe-Filme (sowie alle weiteren Formate dieses Projektes) sind gute Beispiele dafür, wie es funktionieren kann.

New Work – das transitive Netzwerk

Nicholas Christakis und James Fowler bezeichnen solche Netzwerke in ihrem Buch Connected als transitive Netzwerke. Das sind Netzwerke, die aus einem Personenkreis bestehen, der zwar stark untereinander vernetzt ist, aber wenig bis kaum Vernetzung nach außen besitzt. Dabei sind es gerade die schwachen Verbindungen nach außen, die eine Chance für ein Netzwerk bedeuten und die dazu führen, dass sich Ideen und Gedankengut verbreiten. Je transitiver ein Netzwerk ist, desto stärker kreisen dort entstehende Sichtweisen eben nur innerhalb dieses Netzwerkes. So gesehen haben diese Ideen dann kaum eine Chance nach außen zu dringen. Transitive Netzwerke sind wie eine Wikipedia, auf die man von außen keinen Zugriff hat.

Mach einmal den Selbsttest und besuche das Twitterprofil eines Deiner Follower und wirf einen Blick auf den Block Follower, die Du kennst. Im Regelfall wirst Du dort immer die „gleichen Gesichter“ sehen. Natürlich sind diese Menschen auch mit ganz anderen Menschen verbunden, aber wenn man mal testweise durch die Kommunikation solcher Profile scrollt, sieht man sehr schnell, dass zu bestimmten Themen immer die gleichen Personen untereinander kommunizieren.

Natürlich kann ich meine subjektiven Beobachtungen nicht mit Zahlen belegen. Ich glaube aber, dass eine intensive Analyse des New-Work-Netzwerkes auf Twitter spannende Ergebnisse brächte und meine Behauptung, dass New-Work ein transitives Netzwerk ist/wird, bestätigt würde.

Und das ist ein Grund, warum ich überteuerte Veranstaltungen wie den New-Work-Award nicht gut finde, da er diesen Trend eher verstärkt als umkehrt.