Coworking – Kollaboration gibt’s nur durch gemeinsame Ziele

  • Cowork 2018 Coworking Konferenz Bremen

Coworking – Kollaboration gibt’s nur durch gemeinsame Ziele

Ich muss ja zugeben, dass ich schon seit geraumer Zeit mit der Idee der Coworking Spaces sympathisiere, aber so richtig konnte ich mich bisher nicht durchringen, das HomeOffice zu verlassen. Da war die Cowork2018 eine gute Gelegenheit mal ganz unverbindlich in die Gemeinschaft reinzuschnuppern.

Also packte ich am vorletzten Freitag meine Koffer und machte mich für den dreitägigen Event auf nach Bremen, um herauszufinden, was die Beweggründe und Motive der Coworker und natürlich der Coworking-Space-Betreiber sind. Besonders gut gelungen fand ich übrigens, dass die Cowork2018 kein reines BarCamp war. Das eigentliche BarCamp fand am Samstag statt, der Freitag und Sonntag waren mit anderen Formaten gestaltet. Ich muss sagen, dass mir das sehr gut gefallen hat, auch wenn vielleicht nicht alle Formate so gezündet haben. (Aber wenn man sowas nicht ausprobiert, findet man es eben auch nicht heraus.) Wer sich über den Ablauf informieren möchte, sollte übrigens einen Blick in den Blogeintrag von Frauke Rahlfs werden: Cowork2018 in Bremen.

Die Werte des CoWorking

Für mich als Organisationsentwickler und Motivationsdesigner waren die Diskussionen über die Coworking-Werte mit am spannendsten: Offenheit, Kollaboration, Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und Zugänglichkeit. Es hat mich doch ein wenig überrascht, dass diese fünf Werte eine derart starke Rolle für die Coworker-Gemeinde spielen und dass sie durchaus heiß diskutiert werden. Vielleicht habe ich auch in der Vergangenheit mit (und in) zu vielen HORGs gearbeitet, bei denen Werte meist lediglich auf Wände (oder Tassen) geschrieben werden und sonst keine große Rolle für den Arbeitsalltag spielen. So fand ich mich mit meiner Session „Play – Wie Spiele Werte realisieren“ auch unversehens auf der Hauptbühne mit jeder Menge Teilgeber wieder. Obwohl ich beim Session Pitch eigentlich davon ausging, dass sie nur einige wenige Teilgeber interessieren würde – falls überhaupt. So kann man sich täuschen!

Ohne mir an dieser Stelle anmaßen zu wollen, eine wirklich fundierte und abschließende Meinung über Coworking Spaces abgeben zu können, möchte ich – bei aller gebotener Vorsicht – einen Gedanken einbringen. Fast alles, was mir auf der Cowork2018 zu Ohren kamen, drehte sich zentral um das Vierer-Gestirn: Gemeinschaft, Offenheit, Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit. (Gefühlt auch in der genannten Reihenfolge.) So haben Coworking Spaces allesamt eine(n) Community-Manager(in), der/die sich, wie der Name bereits verrät, vornehmlich um die Gemeinschaft kümmern soll. Auch für das Thema Offenheit, Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit existieren viele Mechaniken, Strukturen, Vereinbarungen und klare Ideen, wie diese realisiert werden können. (Besonders spannend war übrigens das Coworking Space TUECHTIG, das einen inklusiven Ansatz verfolgt und beim Thema Zugänglichkeit eine außerordentliche Vorreiterrolle spielt.)

Coworking und Kollaboration

Beim Thema Kollaboration blieb es jedoch häufig relativ still. Es ist auch nicht so, als hätte man den Eindruck gewinnen können, dass dieser Wert niemandem wichtig war. Ganz im Gegenteil! Alle Coworking-Space-Betreiber wünschen sich, dass (noch) kollaborativer in ihren Spaces gearbeitet wird. In der Praxis findet es jedoch nicht so recht statt. Natürlich, es gab kritische Stimmen über Unternehmen, die sich in Coworking Spaces einmieten und dann eine komplette Etage abriegeln, ohne mit den anderen Coworkern etwas zu tun haben zu wollen. Für solche HORGs sind Coworking Spaces nicht mehr als günstig anzumietender Büroraum, den man bei Bedarf auch wieder kündigen kann.

Der Gedanke, der mir bei dem Thema Kollaboration fehlt(e), ist folgender:

An was arbeiten die Coworker kollaborativ?

Natürlich kann man durch offene Strukturen, viele Freiheiten, eine eng verbundene Gemeinschaft etc. viele Freiräume schaffen. Existierende Freiräume führen aber nicht zwangsläufig dazu, dass diese auch genutzt werden. Es bestehen zwar sehr gute zwischenmenschliche Beziehungen zwischen den Coworkern selbst, aber eben keine arbeitsrelevanten. Natürlich können sich diese bei Bedarf ergeben und man hat gute Möglichkeiten sich, dort zu vernetzen. Was aber fehlt (soweit ich das wie gesagt derzeit beurteilen kann), ist ein gemeinsames Ziel.

Ich versuche einmal, es mit dem Team-Flow-Modell von Burow zu erklären, welchen Eindruck ich hatte: Coworking Spaces scheinen mir zwar sehr gut fünf der sieben Grundregeln für Dialog (1), Vielfalt (2), Personenzentrierung (3), Partizipation (4) und Nachhaltigkeit (5) zu verwirklichen, aber ein gemeinsames Produkt (6) steht dabei nicht im Zentrum. Und so kann auch nicht der gewünschte Synergieeffekt (7) eintreten. Denn ohne einen klaren Kristallisationskern bzw. eine gemeinsame geteilte Vision ensteht eben auch kein kreatives Feld. Kollaboration bedeutet ja eben, dass man gemeinsam an ein und derselben Sache arbeitet. Die meisten Coworker scheinen in den Spaces zwar gemeinsam, aber eben nur an ihren eigenen Sachen zu arbeiten.

Ich möchte abschließend noch einmal betonen, dass sich meine Gedanken nur auf die Gespräche, Diskussionen und Sessions begründen, die ich an einem einzigen Wochenende geführt habe. Kann gut sein, dass ich einen falschen Eindruck über das Thema Kollaboration und Coworking habe. Falls dem so ist, würde ich natürlich gerne mehr von Coworkern und Coworking-Space-Betreibern wissen, mit welchen Spielregeln sie Kollaboration in ihren Spaces erzeugen. Falls ich doch annähernd ins Schwarze getroffen habe, ist mein Beitrag vielleicht etwas, das hilft, Antworten für mehr Kollaboration zu finden.

Cowork2018 verpasst?

Das ist zwar schade, aber nicht weiter tragisch! Am 12. und 13. April gibt es ein BarCamp zum Thema Unternehmenskultur, das mindestens genauso spannend und aufregend ist: Das CorporateCultureCamp in Hamburg. Wer mag, hat dort die Möglichkeit mich (und viele andere spannende Menschen) zu treffen und sich mit mir über Unternehmenskultur, Motivation in Unternehmen und was es sonst noch alles gibt, austauschen. Ich freu mich auf Euch!

Mehr über das CCCHH18 erfahren!
Von | 2018-03-19T20:25:46+00:00 19. März 2018|Kategorien: Organisationsentwicklung|Tags: , , , , |1 Kommentar

Über den Autoren:

Ich glaube an eine Arbeitswelt, in der Menschen darauf brennen, am Montag endlich wieder zur Arbeit gehen zu dürfen. Deshalb inspiriere ich Menschen, Unternehmen und Organisationen, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sich Motivation und Engagement entfalten können.

Ein Kommentar

  1. DoSchu 21. März 2018 um 15:19 Uhr - Antworten

    Lieber Lars,

    sehr ausführlicher Bericht von Deinem Eintauchen in die Coworking Szene
    Ich empfinde es als sehr bereichernd wenn auch Coworker mit zur Cowork reisen, für mich war das auch vor dem eigenen Space interessant.

    Bezüglich der Kooperation: die funktioniert unter Coworkern sehr gut. Das kebbe ich aus eigener Erfahrung und wurde auch von Viktoria, die am Sonntag im Panel mitdiskutierte beforscht:
    Perfect Match: Kooperation + Coworking
    https://www.rayaworx.eu/blog/post/kooperation-und-coworking

    Was weniger stattfindet ist die Vernetzung der Space Hosts untereinander. Darüber sprachen wir viel auf der Cowork in Bremen. Es hat viel damit zu tun, dass so gut wie alle zum Space eigenes Business zur Finanzierung vorantreiben; mit Familie bleibt dann nur noch wenig Zeit.

    Freu mich wenn Du für Dich Coworking entdeckst und mit Deinem interessanten Know-how bereicherst!
    Liebe Grüße,
    DoSchu

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