Cost of delay

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Cost of delay

Die meisten Firmen wissen nicht, was es sie kostet, wenn sie anstehende Projekte nicht rechtzeitig fertig stellen. Sie achten in der Regel lediglich darauf, welchen Return on Investment (ROI) sie durch fertiggestellte Projekte erzielen.

Dabei ist es nicht nur wichtig, zu wissen, was man mit einem Projekt verdient, sondern auch wie lange man braucht, um es fertigzustellen und was es kostet, wenn man nicht rechtzeitig fertig ist. Ein paar kleine Rechenbeispiele zeigen Dir, wo der Hase im Pfeffer liegt.

Return on Investment

Die meisten Firmen achten häufig nur darauf, mit welchen Produkten und Projekten sie das meiste Geld verdienen können und priorisieren diese dann nach der Höhe des Profits, den sie sich dabei versprechen. Wenn diese Firmen also durch Projekt A ein ROI von 35 % erzielen können und durch Projekt B lediglich 20 %, wird Projekt A bevorzugt behandelt. Projekt B wird sich deshalb verzögern und später fertig werden.

Projekt AProjekt B
35 % ROI (entspricht 350.000 €)20 % ROI (entspricht 200.000 €)

Außerdem schätzt unser Entwicklerteam den Arbeitsaufwand der beiden Projekte und ist der Ansicht, dass Projekt A in 5 Sprints/Monaten fertigzustellen ist und Projekt B sehr aufwändig ist und doppelt so lange, nämlich 10 Sprints/Monate, dauern wird. Diese Einschätzung verstärkt unseren Eindruck, dass Projekt A zu priorisieren ist, denn mit diesem Projekt können wir schnell mehr Geld verdienen:

Projekt AProjekt B
35 % ROI (entspricht 350.000 €)20 % ROI (entspricht 200.000 €)
Fertigstellung in: 5 SprintsFertigstellung in: 10 Sprints

Die wichtigste Frage ist nur: Was kostet es das Unternehmen eigentlich, wenn Projekt B nicht rechtzeitig fertig wird? In Scrum-Projekten nennt man solche Kosten häufig cost of delay. Für Projekt A fallen dann vielleicht 1.000 € pro Monat/Sprint an, wenn es nicht rechtzeitig fertig wird. Für Projekt B kostet es aber (vielleicht) schon 10.000 € pro Monat/Sprint. Unsere anfängliche Tabelle müssten wir dann folgendermaßen erweitern:

Projekt AProjekt B
35 % ROI (entspricht 350.000 €)20 % ROI (entspricht 200.000 €)
Fertigstellung in: 5 SprintsFertigstellung in: 10 Sprints
Cost of delay: 1.000 € pro MonatCost of delay: 10.000 € pro Monat

Rechenbeispiel

Schauen wir lediglich auf den ROI-Wert von Projekt A und liebäugeln mit den 350.000 €, die wir dadurch erzielen, verzögert sich Projekt B um weitere 5 Monate. Projekt A ist also nach 5 Monaten fertig, Projekt B nach (insgesamt) 15 Monaten. Am Ende dieser 15 Monate haben wir beide Projekte fertig und 550.000 € verdient. Die cost of delay für Projekt A belaufen sich 5.000 €, die cost of delay für Projekt B belaufen sich auf 150.000 € (15 Monate á 10.000 €). Stellen wir Projekt A zuerst fertig und danach erst Projekt B, reduzieren sich die ursprünglich eingenommenen 550.000 € um insgesamt 155.000 € auf lediglich 395.000 €.

Was passiert nun, wenn wir Projekt B zuerst fertigstellen? Nun, nach 15 Monaten haben wir wieder beide Produkte verkauft und insgesamt 550.000 € eingenommen. Projekt B war aber schon nach 10 Monaten/Sprints fertig, da wir dieses ja vorgezogen haben. Jetzt betragen die cost of delay nur 100.000 €. Projekt A wurde nach 15 Monaten beendet und schlägt mit 15.000 € zu Buche. Insgesamt haben wir also nur 115.000 € durch verspätete Auslieferung verloren statt 155.000 €!

Wir haben also durch eine veränderte Reihenfolge 40.000 € eingespart und das, obwohl Projekt B deutlich weniger Profit erzeugt als Projekt A und doppelt so lange bei der Fertigstellung benötigt!

Cost-of-Delay-Profile

Das obige Rechenbeispiel geht davon aus, dass die cost of delay pro Sprint/Monat immer gleich bleiben und sich sofort ansammeln. Damit hätten wir es mit einem linearen Profil zu tun, das folgendermaßen aussehen würde:

Genauso gut könnte es aber auch sein, dass wir mit unserem Kunden einen festen Termin für die Fertigstellung unseres Projektes vereinbart haben und erst dann cost of delay enstehen. Dann sähe unser Profil vielleicht folgendermaßen aus:

Oder es entstehen bereits zu Beginn hohe Kosten, wenn ein Projekt nicht sofort fertiggestellt wird, die sich dann weiter ansammeln:

Das folgende Cost-of-delay-Profil entspricht Projekten, die schon direkt zu Beginn hohe Kosten verursachen, diese jedoch später nicht sehr stark weiter ansteigen:

Manche Projekte erzeugen auch zu Beginn keine wirklich wahrnehmbaren cost of delay, um dann plötzlich sprunghaft anzusteigen. (Ein gutes Beispiel hierfür wäre etwa technical debt, die nicht weiter beachtet wird und dann irgendwann dazu führt, dass Dinge ins Chaos abgleiten.)

Abschließende Überlegungen

Wie man an diesen Beispielen sehen kann, sollten Product Owner in Scrum-Projekten nicht nur wissen, was mit einem fertigen Produkt zu verdienen ist, sondern auch immer eine möglichst konkrete Vorstellung davon haben, welche Kosten entstehen, wenn das Produkt nicht rechtzeitig fertig ist und wie sich die Kosten weiter entwickeln werden. Cost-of-delay-Profile bieten hierbei eine sehr gute Orientierungshilfe.

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Von |2018-07-03T11:18:28+00:007. Mai 2018|Kategorien: Scrum|Tags: , , |0 Kommentare

Über den Autoren:

Ich glaube an eine Arbeitswelt, in der Menschen darauf brennen, am Montag endlich wieder zur Arbeit gehen zu dürfen. Deshalb inspiriere ich Menschen, Unternehmen und Organisationen, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sich Motivation und Engagement entfalten können.

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