Manchmal ist es kurios, wie Ideen entstehen. Da sitze ich abends mit einem Glas Wein vorm PC und mir fällt ein, dass ich ja noch ein „Warum“ im Sinne des Golden Circle von Simon Sinek für ein Netzwerk formulieren wollte, in dem ich aktiv bin. Dafür ist es definitiv zu spät, aber das Video kann ich mir noch kurz ansehen, ist ja auch schon ein paar Jährchen her.

Während Simon Sinek also in gewohnter „Maschinengewehr-Manier“ seine Idee bei einem TED-Talk vorstellt, stellt mein Gehirn eine Verknüpfung dieser Informationen mit einem Post von Leonid Lezner her, den ich Tage zuvor gelesen habe:

Ist also alles, woran wir seit Jahren arbeiten umsonst? Idiotisch, weil wir uns nur überlegen wie wir arbeiten wollen, nicht wie wir (über-)leben wollen?

Haben wir uns derart verzettelt und die ganzen Auswüchse, die New Work entwickelt hat, wie Unternehmenskultur, Purpose, Agilität, Scrum, NewPay und wie New Work selbst übrigens, werden zu Recht mittlerweile als Buzzwords angesehen?

Vielleicht. Zumindest merke ich immer häufiger, dass ich Menschen, durch die Verwendung dieser ganzen Begriffe, mit denen sie im ersten Moment nichts anfangen können, abhänge.

Aber worum ging es Simon Sinek eigentlich, als er den goldenen Kreis erdachte? Worum ging es Frithjof Bergmann, als er in Flint vor den Arbeitern stand, die ihre Jobs aufgrund der Technisierung zu verlieren drohten?

Man kann den goldenen Kreis einfach als Sinnbild für ein erfolgversprechendes Marketingkonzept verstehen, natürlich. Aber Simon Sinek spricht nicht über wirtschaftlichen Erfolg. Er spricht von Menschen, die eine Vision hatten. Und diese Vision ging nicht einher mit Reichtum oder Anerkennung. Wie er so gut beschreibt ging es den Wright Brüdern und Martin Luther King darum, etwas zu verändern. Die Welt, in der wir leben, besser zu machen, eine bessere Zukunft zu schaffen. Und es gibt noch viele, viele Beispiele mehr.

Ich zitiere hier mal frei einen gewissen Captain eines gewissen Raumschiffes: „Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten, um uns selbst zu verbessern – und den Rest der Menschheit.“ Ja ich weiß, Jean Luc Picard ist eine erfundene Figur. Aber ist es nicht auf den Punkt gebracht, was wir alle in Zukunft tun sollten? Ist es nicht genau das, was Frithjof Bergmann, der Vater von New Work wenn man so möchte, will? So viele Menschen haben Angst davor, was passiert, wenn der „Automatisierungs-Tsunami“, wie Bergmann ihn nennt, kommt. Was soll denn dann noch der ganze Mist von Neuer Arbeit, wenn wir keine Arbeit mehr haben? Ich behaupte das Gegenteil und stimme damit Bergmann absolut zu: Wir sollten uns darauf freuen! Endlich werden unsere Defizitbedürfnisse, wie Maslow sie genannt hat, befriedigt (ohne dass wir uns dafür abmühen müssen) und wir haben Zeit für das einzige Wachstumsbedürfnis: der Selbstverwirklichung.

Und ich glaube, da liegt der Knackpunkt. Wie Bergmann es 2018 in einem Interview sagte, fingen die Arbeiter an zu weinen, als er sie fragte, was sie wirklich, wirklich wollen. Sie hatten einfach keine Antwort darauf. Die großen Visionäre unserer Geschichte wussten genau, was sie wollten, bzw. warum sie etwas wollten.

Ich finde, wir sollten uns unser ganzes Leben lang fragen, warum wir etwas wollen und was wir wollen. Das ist nicht einfach, aber es ist eine Art Erdung für mich gewesen, noch einmal zum Anfang zu gehen und mir genau anzuschauen, warum ich eigentlich heute hier stehe und das tue, was ich tue, und auch wie ich es tue. Ich ging noch einmal zu den Wurzeln zurück und erkundete mein Warum.

Ich sage euch, was mein Warum ist: Ich möchte die Welt, in der ich lebe, für mich und viele andere besser machen (ich bin kein großer Visionär, daher halte ich es in einem kleinen Kreis).

Daher versuche ich den Menschen in meinem Umfeld, ob beruflich oder privat, zu helfen. Indem ich mich weiterentwickle, dazulerne, meine Erkenntnisse teile und zuhöre. Indem ich Bioprodukte kaufe, versuche Müll zu vermeiden. Indem ich mich zusammen mit meinem Geschäftspartner Lars dazu entschied, ein Geschäftskonto bei einer umweltfreundlichen Bank zu eröffnen, statt bei einer klassischen Bank. Indem ich auf die Straße gehe und Gesicht zeige, wenn mal wieder irgendwelche verkorksten Rechten in Münster aufmarschieren.

Und auch, indem ich mich selbstständig gemacht habe, statt darauf zu warten, dass mich irgendein Unternehmen einstellt, bei dem ich nicht arbeiten möchte und das nur um Geld zu verdienen. Und besonders glücklich macht es mich, dass unsere gemeinsame Unternehmensvision als sozusagen Anti-Unternehmensberatung auf meiner aufbaut.

Bin ich wegen all dem ein besserer Mensch? Nein. (Zumal die Sache mit der Müllvermeidung noch deutlich Puffer nach oben hat.) Ich folge einfach meinem Warum. Nicht immer, aber immer öfter. Danke Simon Sinek und danke Frithjof Bergmann und auch danke Leonid Lezner (cool, im selben Satz wie die beiden Erstgenannten erwähnt zu werden, was?), dass ihr mich wieder einmal geerdet habt. Für mich sind die „Buzzwords“ keine Buzzwords. Sie sind nur Ausdruck dessen, was zu meinem Warum gehört. Und daher werde ich auch weiterhin daran arbeiten, New Work und Agilität etc. zu verbreiten.

Wann habt ihr euch zuletzt auf eure Wurzeln besonnen? Was ist euer Warum im globalen Sinne? Warum tut ihr die Dinge, die ihr tut? Ich freue mich über eure Inspirationen.