Arbeit darf keinen Spaß machen

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Arbeit darf keinen Spaß machen

In der Welt der Arbeit hat das Spiel hat ein denkbar schlechtes Image. Wir verbinden es mit Unterhaltung, Spaß und Freude. Spiele sind etwas, das in die Freizeit gehört. Spiele spielen wir mit denen, die wir mögen. Dem Spiel mangelt es an Ernst. Nicht umsonst heißt es ja: „Das ist hier alles kein Spiel!“

Arbeit hingegen ist der komplette Gegenentwurf zum Spiel. Arbeit ist etwas Negatives. Arbeit ist Anstrengung pur. Denn Arbeit ist nur dann Arbeit, wenn wir nachher „so richtig kaputt“ sind. Wer nach der Arbeit nicht todmüde auf die Couch fällt und kaum noch seine Kaffeetasse hochheben kann, der hat anscheinend noch Reserven (und demzufolge nicht richtig gearbeitet). Auf der Arbeit umgeben wir uns auch nicht mit Menschen, die wir mögen, sondern werden von anderen nach Fachkompetenz in Teams einsortiert. Arbeit macht auch keinen Spaß oder Freude und Gott bewahre, wir würden uns auf der Arbeit gut unterhalten fühlen. Wer Spaß auf der Arbeit hat, dem mangelt es am nötigen Ernst: „Wir sind ja nicht zum Spaß hier!“

Wer so denkt, hält meist nicht viel davon, sich Gedanken darüber zu machen, welche Bedeutung er mit den Spielregeln des Unternehmens erzeugt und wie Prozesse, Abläufe und Strukturen auf die Menschen wirken, die sich in dieser Unternehmensumgebung bewegen (müssen). Für schlechte Arbeitsumgebungen wird gerne der vielzitierte „Kostendruck“ herangezogen und wer mit den (zu) hohen Anforderungen an seine Arbeit nicht klar kommt, dem fehlt es an der nötigen Eigenmotivation und Resilienz. Das nennt sich manchmal auch forderndes Arbeitsumfeld oder Leistungsorientierung und dieses Umfeld dient dazu, die Talentierten von den Untalentierten zu trennen: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

Die Meinung, dass Arbeit keinen Spaß machen darf, sitzt so tief, dass selbst der hörenswerte Podcast zum Thema Gamification von Roman Rackwitz und Jörg Niesenhaus Spiel aber Ernst heißt. Es lohnt sich, darüber eine Weile nachzudenken. Da sind zwei Menschen, die das Thema Spiel vollkommen durchdrungen haben, die verstanden haben, unter welchen Bedingungen Motivation entsteht und die genau wissen, was Arbeitsumgebungen fehlt, damit Flow entstehen kann, sich Gemeinschaften bilden und welche wichtige Rolle Autonomie dabei spielt. Und trotzdem haben Roman und Jörg es für nötig gehalten, mit dem Titel Ihres Podcasts noch einmal klarzustellen, dass man das Ganze auch Ernst meine.

Die Beweislast liegt aber auf der anderen Seite. Auf der Seite der Arbeit. Während es gut designten Spielen problemlos gelingt, Menschen zu Höchstleistungen anzuspornen, sie in den Flow zu bringen, riesige Communities zu erzeugen und Freiräume zu eröffnen, gelingt genau das den meisten Arbeitsumfeldern eben nicht. Prozesse werden zwecks Fehlerminimierung solange vereinfacht, bis wir bei ihrer Ausführung komplett unterfordert sind. Wir fühlen uns auf der Arbeit nicht als Teil von etwas Größerem oder einer Gemeinschaft, sondern als Rädchen im System. Freiräume und eigene Entscheidungen werden eingeengt durch lineare Prozesse, Vorgaben und Vorgesetzte.

Alles das geschieht im Namen der notwendigen Ernsthaftigkeit. Und weil man dann doch irgendwie unterschwellig spürt, dass diese Umgebung, die man da geschaffen hat, nicht so wirklich motivierend ist, wird sie mit Belohnungen, Bezahlung, Boni und Prämien garniert. Einem Geschäftsführer riet ich einmal, dass es sein Ziel sein muss, ohne Prämien Motivation zu erzeugen. Sein Antwort war: „Das will dann ja keiner machen, wenn er keine Prämie dafür kriegt. Also brauchen wir Prämien!“

Ich würde das so deuten: richtige Erkenntnis, falsche Schlussfolgerung. Schlechte Arbeitsumgebungen wandelt man nicht durch Prämien in gute Arbeitsumgebungen. Schlechte Arbeitsumgebungen verwandelt man in gute Arbeitsumgebungen, indem man gute Arbeitsbedingungen aus ihnen macht. Beschissene Arbeitsumgebungen mit Prämien sind immer noch beschissene Arbeitsumgebungen.

Von | 2018-02-05T10:32:23+00:00 5. Februar 2018|Kategorien: Motivation, Organisationsentwicklung|Tags: , , , |0 Kommentare

Über den Autoren:

Ich glaube an eine Arbeitswelt, in der Menschen darauf brennen, am Montag endlich wieder zur Arbeit gehen zu dürfen. Deshalb inspiriere ich Menschen, Unternehmen und Organisationen, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sich Motivation und Engagement entfalten können.

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