Gelegentlich stehst Du in Workshops oder Meetings vor einer Situation, in der Du erreichen willst, dass sich jeder Deiner Teilnehmer beteiligen kann (und soll). Besonders bei sehr großen Gruppen kann das recht schwierig werden, wenn Du es im gesamten Plenum versuchst. Die schiere Anzahl an Teilnehmern macht es auf den ersten Blick unmöglich, dass jeder ausreichend zu Wort kommt. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sich immer wieder dominante Personen in den Vordergrund drängen.

Die 1-2-4-All-Methode schafft hier Abhilfe und ist Teil der sogenannten Liberating Structures, die sich allesamt dadurch auszeichnen, dass sie sehr leicht zu erlernen und einzusetzen sind. Wie der Name bereits sagt, haben Liberating Structures zum Ziel, befreiende (Gesprächs-)Strukturen zu erzeugen.

Beschreibung

Mit der 1-2-4-All-Methode kannst Du Deine Workshop-Teilnehmer eine Frage zu einem Vortrag beantworten lassen, eine Lösung für eine Problemstellung erarbeiten oder auch eine ToDo-Liste für eine Aufgabe anfertigen lassen. Die Einsatzmöglichkeiten der Methode sind sehr vielfältig.

Die 1-2-4-All-Methode gibt jedoch lediglich die einzelnen Arbeitsphasen vor. In der ersten Phase (1) ist jeder Teilnehmer aufgefordert, eigene Ideen, Antworten oder Vorschläge aufzuschreiben. In der zweiten Phase (2) sucht sich jeder Deiner Teilnehmer einen Gesprächspartner. Jetzt werden die Ergebnisse aus der ersten Phase einander vorgestellt und bei Bedarf verfeinert, korrigiert und ausgearbeitet. (Du kannst Deinen Teilnehmern auch die Aufgabe stellen, dass sie sich gemeinsam auf die besten 5 Ideen einigen sollen und dergleichen mehr.) Wichtig ist, dass jeder Teilnehmer in der Partnerarbeit zu Wort kommt und das Ergebnis aus Phase 2 ein gemeinsames Ergebnis ist. Ist Phase 2 geschafft, sucht sich jedes Gesprächspaar ein weiteres Paar, sodass sich 4er-Gruppen ergeben. Der Ablauf ist dann identisch mit der vorherigen Phase: Auch jetzt werden bereits erarbeitete Ergebnisse vorgestellt, ergänzt und weiter verfeinert.

In der vierten und letzten Phase (All) werden die Ergebnisse aus jeder Gruppe im Plenum zusammengetragen, ergänzt und verfeinert. Auf diese Weise erhältst Du in kürzester Zeit eine Menge guter Ergebnisse, ohne dass jemand nicht die Gelegenheit hatte, sich einzubringen.

Auch die zeitliche Dauer der Phasen orientiert sich an dem Namen der 1-2-4-All-Methode. Phase 1 (Einzelarbeit) dauert 1 Minute, Phase 2 (Partnerarbeit) dauert 2 Minuten, die dritte Runde mit den 4er-Gruppen dauert 4 Minuten und die All-Phase dauert 5 Minuten, sodass eine 1-2-4-All-Runde gute 12 Minuten braucht. Natürlich kannst Du die Phasen bei schwierigeren Fragestellungen auch verlängern, wenn Deine Workshop-Teilnehmer mehr Zeit benötigen.

Effekt

Die Einteilung in die einzelnen Phasen der 1-2-4-All-Methode bewirkt, dass jeder Teilnehmer Gelegenheit hat, sich Gedanken zu einem Thema zu machen und auch zu Wort zu kommen. Gleichzeitig verringert die Arbeit in kleinen Gruppen die Hemmschwelle, sich zu äußern. (Dem einen oder anderen fällt es ja doch gelegentlich schwer, sich vor einer größeren Gruppe zu äußern.) Die Abfolge der Phasen dient außerdem als „Qualitätsfilter“, da sich die Gruppen selbst entscheiden müssen, welche Ergebnisse sie mit in die nächste Runde nehmen möchten. (Sofern Du das als Aufgabenstellung vorgegeben hast.)

Gleichzeitig ist die Methode sehr zeiteffizient, da eine Frage oder ein Problem mit der 1-2-4-All-Methode parallel bearbeitet wird und nicht sequenziell.

CC-BY-NC Dieses Material von Lars Richter & Diana Lowey basiert auf dem Werk von Henri Lipmanowicz und Keith McCandless und unterliegt daher der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 3.0 Unported (CC BY-NC 3.0).